Chronik von 1830 bis 1839

1830
Der Winter war überhaupt sehr strenge, und es lag anhaltend tiefer Schnee. Frühling und Sommer waren zwar recht angenehm und gut, allein die Roggenerndte schlug größtentheils fehl, weil es im vorigen Jahre zur Zeit, wo die Roggenfelder mußten bestellt werden, anhaltend geregnet hatte. Die Kornpreise standen ziemlich hoch, der Roggen galt p. Scheffel circa 1 rt 25 Sgr, die Gerste 1 rt 8 Sgr.

Gegen Herbst nahm die allgemeine Kataster-Vermessung hier ihren Anfang. - Was den im vorigen Jahre erwähnten Vergleich in Betreffs der Holzgerechtsame angeht, der in diesem Jahre am 21. Dec. von königl. hochlöbl. Regierung zu Minden genehmigt wurde, so erhält hiesige Gemeinde, der man ihre früher ausgebreiteten Gerechtsame, die sie unangefochten besessen hatte, seit vielen Jahren bedeutend schmälerte, wieder verschiedene Vortheile, wodurch man sich der früheren Gerechtsame wenigstens wieder näherte. Nach gesagtem Vergleiche erhält hiesige Gemeinde jährlich an Deputatholz 367 Klafter, welche mit Berücksichtigung der häuslichen Verhältnisse und des Schatzfußes durch die Holzdeputierten klafterweise unter die Berechtigten vertheilt werden. Ferner erhält jeder hiesige Ackermann alle 2 Jahre eine Wagendeichsel und 4 Leiterbäume. Auch erhält jeder Holzberechtigte Latten und Deckeruthen, wenn er derselben benöthigt ist, wofür er pro Fuder 3 Sgr 4 Pfg zu entrichten hat. Dann erhält jeder berechtigte Einwohner sowohl zum Neubau als zur Reparatur das nöthige Holz; dagegen müssen von den zu verabreichenden Bäumen für jede Eiche 10 Sgr von dem Empfänger in die Königl. Forstkasse gezahlt werden. Die Gemeinde zählt, inclusive Bumbams Mühle, 80 holzberechtigte Häuser. Gemäß diesem Vergleiche hat jeder Berechtigte die Befugnis, Stuken und Braken, überhaupt Raff- und Leseholz, außer den Schonungen, unentgeltlich an den bekannten wöchentlichen Holztagen abzufahren. Und die Gemeinde hat das Recht, mit ihrem Viehe - ausschließlich der Ziegen - in den Forsten, wo keine Schonungen sind, zu hüten.

Der Ortsbeamte   Sprenger

1831
Der Winter in 1831 war wieder sehr strenge, es gab vielen und anhaltenden Schnee und Frost. Der Frühling war ziemlich gut, besonders der Monat April; jedoch im Mai entstand ein achttägiges Frostwetter, wodurch hinsichtlich des Obstes für das laufende Jahr ein bedeutender Mangel sich ergab. - In der ersten Hälfte des Monats Juli zeigten sich Raupen am Flachse, die etwas früher sich einfanden wie im Jahre 1829. Uebrigens war der Rqupenfraß d.J. nicht so arg wie der vorige. - Im Monat August zog der königl. Förster Mergell von Husen wieder hierhin, und trat mit landesherrlicher Genehmigung wieder auf seinen früheren Posten. - Der Sommer war sehr regnerisch, und die Erndte fiel im Ganzen genommen eben nicht ungünstig aus, besonders was die Winterfrüchte betrifft. Gerste und Hafer waren spärlich gesachsen. Die Kornpreise standen hoch; der Roggen galt p. hies. Scheffel circa 2 trh, die Gerste circa 1 rth 14 Sgr.

Auc ward in diesem Sommer mit dem Plistern des aus Brettern bestehenden Kirchengewölbes angefangen, und im Herbste vollendet, wobei die Gemeinde rühmlichst mitgewirkt hat durch freiwillige Hand- und Spanndienste, so auch Lieferung des erforderlichen Strohes und Besorgen verschiedener Bäume zum Gerüste, welche in der Gemeinde-Forst, die Knippe genannt, gefällt, und nachher von Seiten der Gemeinde verkauft wurden. - Es wurde im Sommer l. J. ferner östlich vom Dorfe in der Nähe des Pastorat-Gartens ein Ofen zum Ziegel- und Kalkbrennen durch den Herrn Ortsbeamten Sprenger angelegt. - Der Hebst war von den ersten Tagen des Monats October an trocken und schön bis wenigstens in den November, was besonders für die Kartofelerndte erwünscht kam. Der nächste Winter in das Jahr

1832
war mittelmäßig, der Frühling sehr trocken, der Sommer sehr regnerisch. Im Frühjahre wurde zu dem früher erwähnten Ziegelofen ein Haus erbaut, welches hauptsächlich zum Trocknen der Ziegel bestimmt ist. - Man benerkte um diese Zeit hier und in der Umgegend einen bedeutenden Mangel an Schafen, weshalb selbe recht sehr gesucht wurden. Die hiesige Herde blieb äußerst schwach. Über den Grund jenes Mangels mögen Kenner entscheiden.
Das laufende Jahr ist in der Geschichte von Bleiwäsche merkwürdig, weil sic zwei Israeliten hier ansiedelten, wo früher nie ein solcher wohnte. Der eine, Calmen Schild mit Namen, zog im Anfange des Jahres, und der andere, Simon Nordwald genannt, gegen die Mitte des Jahres hierhin.
Die Kornpreise waren etwas niedriger, wie im vorigen Jahre. Der Roggen galt circa 1 rtl 20 Sgr, die Gerste circa 1 rth 3 Sgr. Die Erndte fiel ziemlich gut aus, und der Winter kam etwas früh herbei, jedoch ohne daß eine besonders strenge Kälte sich zeigte.

1833
Der Anfang des Jahres war trocken und kalt, ohne Schnee. Im Februar gab es abwechselnd Schnee, jedoch war das Ende dieses Monats gelinde und angenehm, der Schnee war verschwunden. Dagegen war der Monat März ziemlich strenge, so daß der 13te d.M. der kälteste Tag von allen war, die wir in diesem Winter gehabt hatten. Bald darauf fiel Schnee, der ziemlich anhielt, und größtentheils durch die Tageswärme allmählich wieder abging. Der April war trocken und kalt, der Mai gleich anfangs sehr warm und trocken. Gegen die Mitte d.M. zeigten sich mehrere Male Gewitter gegen Südwest, die gegen Süden hin vorüberzogen, ohne hier Regen zu bringen. Am 18ten zeigten sich abends gegen 9 Uhr mehrere Gewitter gleichzeitig, wobei es außerordentlich blitzte, auch einige Male stark donnerte, aber nur sehr wenig regnete. Am 20sten kamen wieder einige Gewitter zum Vorschein, und es gab wieder etwas Regen; allein derselbe reichte nicht hin, um die trockene Erde zu tränken. Es blieb noch immer trocken und heiter, und am Ende d.M. trat bei der Trockenheit noch Kälte ein. Am 3.Juni erhielten wir einen sanften und erquickenden Regen, so auch am 17ten. Am 30sten gab es einen starken Regen mit Gewitter, und die übrige Zeit des Sommers mangelte es nicht am Regen.
Am 22sten August wurde vom Herrn Landdechant und Pfarrer Bathche zu Fürstenberg eine von hiesiger Gemeinde angeschaffte neue Glocke, ca. 220 Pfd. schwer, die zu Brilon gegossen war, dahier vor der Kirche benedictiert, und ist von der Zeit an zum Geläute gebraucht worden. – Die Kornpreise waren niedrig, so daß der hiesige Scheffel Roggen im Sommer circa 25 Sgr galt.

Die Erndte fiel ziemlich gut aus, besonders was die Winterfrüchte angeht. Raufutter wurde wenig gewonnen, was man wohl hauptsächlich dem trockenen Maimonate zuschreiben konnte. Der Herbst war anfangs ziemlich gut, und bis Ende October trocken. Dann wurde es regnerisch, und es fiel mitunter auch Schnee, auch stürmte es viel, besonders im December. Am 11ten d.M. zwischen 8 und 9 Uhr morgens wurde bei stürmischer Witterung, wobei es hagelte, ein Gewitter bemerkt; gleich darauf fiel Schnee, der mehrere Tage lag. Die Witterung war um diess Zeit meistentheils trübe und regnerisch.

Der Ortsbeamte Sprenger

1834
Der Anfang des Jahres 1834 war regnerisch. Um die Mitte des Monats Januar ließ der Regen nach, und es gab gegen Ende dieses Monats etwas Schnee und Frost. Der Monat Februar war größtentheils trocken und heiter, nachher erfolgte wieder Regen. In der ersten Hälfte des April fiel noch ziemlich Schnee, und erst gegen Ende dieses Monats trat eigentlich die Frühlingswitterung ein. Der Maimonat war sehr warm und trocken, und der Sommer ungewöhnlich heiß. Es gab wenig Regen. Nur die Gewitter, die sich jedoch an verschiedenen Orten sehr bösartig zeigten, verschafften hier zur Notdurft der Erde und den Gewächsen die erforderliche Feuchtigkeit und Erquickung. Durch die anhaltend heiße und trockene Witterung kam es, daß der Roggen in hiesiger Gegen, wo sich die Erndte gewöhnlich verspätet, schon gegen Jacobi reif war, und sämtliche Früchte noch vor Ablauf des Monars September eingeerndtet waren. Man kann es sich aber aus dem Verhalten der Witterung leicht vorstellen, daß der Roggen nicht so vollständig und ergiebig ward, wie in gewöhnlichen Jahren, und daß die Sommerfrüchte noch einen geringeren Erfolg lieferten, sowohl an Korn, als an Stroh. Rauhfutter schlug gänzlich fehl, und der Flachs gerieth nur hin und wieder, wahrscheinlich an feuchteren Ländern. Die Heuerndte dagegen lieferte einen guten Ertrag. Kartoffeln gab es weniger wie in den vorhergehenden Jahren, wurden aber ganz rein und trocken eingebracht. Die Gemüse: Kappes, Kohl und Kohlrabi litten ungemein von den Raupen, sowie die Bohnen vom Mehltaue. Gegen Ende des Sommers, im August, erkrankten mehrere Schweine, an welchen man Fehler an Lunge und Leber fand.
Die heiße und trockene Sommerwitterung zeigte sich noch im Monat September; es war nämlich am17ten bis zum 20stenincl. Eine so drückende Hitze, als manoft in der Mitte des Sommers nicht verspürt, wobei es selbst die Nacht hindurch warm blieb. Um diese Zeit wurde dahier auf den so genannten Schächten wieder ein neues Haus errichtet. Die Witterung blieb ziemlich trocken bis zur Hälfte des October. Gegen Ende dieses Monats fiel schon ziemlich Schnee, der jedoch bald wieder verschwand. Die übrige Zeit des Jahres wechselte schnell mit Regen, Frost und wenigem Schnee, ohne daß jedoch eine bedeutende Kälte eintrat.
Noch ist zu bemerken, dass die Kornpreise im Laufe des Jahres nicht hoch standen. So galt vor der Erndte der Roggen (Berl. Scheffel) circa 25 Sgr, die Gerste 20 Sgr, und im Herbste der Roggen 29 Sgr und die Gerste 22 Sgr.  Auch gab es hier im Walde viele und besonders starke Eicheln, so auch Buch. Gegen das Ende dieses Jahres wurde außerhalb des Dorfes, auf dem sogenannten Bohlenbruche, ein Haus erbaut.

Der Ortsbeamte   Sprenger

1835
Im Jahre 1835 war anfangs die Witterung sehr gelinde. Der Winter war, im Ganzen genommen, nicht strenge. Am 5. Februar war abends nach 9 Uhr ein Gewitter, wobei es mehrere Male blitzte und donnerte. Auch am folgenden Morgen bei Tagesanbruch wurde wieder Blitzen und Donnern bemerkt. Es fiel gleich bei dem Gewitter Schnee. Die Frühlingsmonate waren aber nicht angenehm, noch mitten im April fiel Schnee, und der Mai war bis ans Ende sehr regnerisch. Der Sommer war wieder sehr trocken, woher es kam, daß der Flachs nur auf einigen Grundstücken gut gerieth. Die Erndte, sowohl der Winter als Sommerfrüchte, auch der Kartoffeln, war mittelmäßig. Dagegen gab es ziemlich viel Heu und Rauhfutter. Die Kornpreise standen eben nicht hoch. Der Scheffel Roggen galt circa 1 rth – Gerste ca. 20 Sgr – Hafer ca. 15 Sgr.  Die Herbstwitterung war überhaupt genommen gut, so daß die Früchte und Kartoffeln zur Zufriedenheit eingebracht werden konnten. Der Winter stellte sich früh ein, denn schon in den ersten Tagen des November trat ein ziemlich herbes und anhaltendes Frostwetter ein, worauf am 11ten desselben Monats gegen Abend ein bedeutender Schnee erfolgte, der ungefähr 8 Tage lag. Dann zeigte sich ein gelindes und mitunter sehr angenehmes Herbstwetter bis in den December, wo wieder Frost und Schnee erfolgte.
Mit dem Anfange dieses Jahres begann hinsichtlich der Abgaben, welche in die Königliche Kasse fließen, eine neue Einrichtung. Dieselben wurden von jener Zeit an nicht mehr von dem Gemeindeeinnehmer, sondern von eigens dazu ernannten Steuerempfängern erhoben, die sich zu gewissen Zeiten, nach vorhergegangener Bekanntmachung, in den  ihnen zugetheilten Ortschaften einfinden.
Im Laufe dieses Jahres wurde südöstlich von Bleiwäsche, vor den sogenannten Plätzen, nahe bei der Ziegelei, eine Töpferei angefangen und dabei ein Haus erbaut, als Wohnung für den Töpfermeister. Auch wurde im Sommer noch ein Haus im Orte errichtet.
Noch ist es bemerkenswerth, daß in diesem Jahre die hiesige Küster- und Schullehrerstelle getrennt wurde. Der bisherige Küster und Lehrer Backs entsagte der Lehrerstelle und reservierte sich die Küsterei nebst 20 rth, die er jährlich vom Gehalte eines hiesigen Lehrers als Pension bezieht, welches ihm lebenslänglich von der Regierung zun Minden zugesagt ward. Als hiesiger Lehrer wurde von der genannten Regierung bestellt der Schulamts-Candidat Joseph Neuhaus, gebürtig aus Boke, und vorgebildet im Seminar zu Büren. Nach vollendeten Schulferien im October eröffnete derselbe den hiesigen Schulunterricht.

Der Ortsbeamte   Sprenger

1836
ImAnfangfe des Jahres 1836 zeigte sich der Winter ziemlich strenge, war jedoch überhaupt leidlich, aber anhaltend; denn vom 4ten auf den 5ten April fiel noch tiefer Schnee. Es neigte sich also spät zum Frühlinge das besagte Jahr. Auch gab es in dem selben viel Regen, und der Sommer war ziemlich kühl. Auch zeigte sich dahier vom Frühlinge an bei den Schweinen eine Seuche, die manches Stück dahinraffte. – Die Kornpreise standen eben nicht hoch; der preus. Scheffel Rogen galt im Sommer 1 rt 5 Sgr, Gerste 27 Sgr. In der ersten Hälfte des September trag Regenwetter ein, welches fast ununterbrochen bis gegen Ende dieses Monats fortdauerte. Die Erndte war übrigens ziemlich gut. Gegen das Ende des October zeigte sich schon der Winter, jedoch war die Witterung in der zweiten Hälfte des November bis kurz vor Weihnachten gelinde und regnerisch. Dann aber bis zum Ende des Jahres war es sehr kalt, bei dem Anfange des Frostwetters bedeutend vieler Schnee.
Noch verdienst ein heftiger Sturmwind erwähnt zu werden, der am 29sten November gegen den Abend sich erhob, und bis um 8 Uhr dauerte. Dieser Sturm war von der Art, daß die Dächer durch selben ungewöhnlich beschädigt wurden.
Am 15ten December starb dahier eine junge Frau, welche an einem inneren körperlichen Fehler gelitten hatte, und deshalb an die 5 Monate im Krankenhause zu Paderborn behandelt war. Selbe ward am 16ten Dec. Vom Hern Doctor Wewer, wohnhaft in Fürstenberg, operiert, und es fand sich, daß eine Ausartung der Gebärmutter die Ursache ihres bedauernswürdigen Zustandes und des darauf erfolgten Todes war.

Der Ortsbeamte   Sprenger

1837
Der Winter des Jahres 1837 war eben nicht strenge, aber sehr veränderlich. Es fiel häufig Schnee, ohne daß derselbe doch lange liegen blieb.
Am 13ten Januar brach in einem Hause Feuer aus, gegen 4 ½ Uhr abends. Dieses Haus (vulgo Kleinschmidts) wurde ein Raub der Flamme, und in demselben Jahre unweit der Brandstelle wieder neu erbaut.
Der Frühling zeigte sich spät; denn vom 5ten bis zum 10ten April zeigte sich noch ungewöhnlich tiefer Schnee. Derselbe verging aber, ohne viel Wasser zu veranlassen. – Am 10ten Mai lag des Morgens wieder ziemlich viel Schnee. Gegen Ende Mai zeigte sich ein Gewitter, welches in der Nachbarschaft, imDorfe Meerhoff, einschlug und 45 Häuser einäscherte.
Den Sommer hindurch, welcher ziemlich kühl war, zeigten sich hier keine Gewitter bis im August, wo in der Nacht vom 11ten auf den 12ten mehrere Gewitter heranzogen, die bis gegen 5 Uhr morgens anhielten, und mit vielem Regen endigten. – Vom 17ten auf den 18ten nachts stiegen wieder mehrere Gewitter auf, die von 10 Uhr abends bis 2 Uhr morgens anhielten, und obgleich weit entfernt, mit ungewöhnlich starken Blitzen und Regen begleitet waren. Am 20sten (Mariä Himmelfahrt) war es sehr schwül, und des Abends ein Gewitter. Von nun an wurde es kühl, mitunter ziemlich kalt.
Der Herbst war unbeständig, und trat schon früh mit kaltem Regen ein. Die Ernte gerieth ziemlich, übrigens standen die Fruchtpreise gering.
Am 3ten December verließ der Pfarrer Fr. Luis die Gemeinde Bleiwäsche, die er 25 Jahre rühmlichst geleitet hatte, um die ihm conferierte Pfarre zu Germete anzutreten, und es wurde die einstweilige Verwaltung hiesiger Pfarre dem Seminarpriester Ludwig Simon aus Willebadessen übertragen, derm am 6ten December hier ankam.Der Ortsbeamte  Sprenger

1838
Der Winter, welcher unser dem Sauerlande benachbartes Dörfchen in keinem Jahre eben sanft und gelinde bahandelt, machte auch mit dem Anfange des Jahres 1838 seine Rechte mit Kraft und Nachdruck geltend, denn schon am 8ten Januar trat ein so fürchterliches Frostwetter, verbunden mit Schnee, ein, daß man sich scheuen mußte, aus dem Hause zu gehen. Dieses Frostwetter hielt eine geraume Zeit an, und verzog sich, mit einigen Abwechselungen, bis in Mitte des Frühlings. Man konnte daher erst spät an den Gartenbau denken, und wegen des unbeständigen Wetters sah man mit Angst die noch gut erhaltene Roggensaat an. Spärlich stand auf dem hiesigen Felde der Roggen und auch die übrigen Winterfrüchte. Desto herrlicher aber gedieh die Sommerfrucht, besonders das Rauhfutter, der Hafer und die Kartoffeln. Auch der Flachs gerieth ziemlich, indes nicht so gut wie im vorigen Jahre. - Der Herbst war unbeständig und regnerisch, welches verursachte, daß einige Feldfrüchte naß und zum Theil schon auf dem Felde ausgewachsen eingescheuert wurden. Im Nonate November zeigte sich unter dem Viehe eine Seuche, die besonders bei dem Hornviehe und bei den Schafen ansteckend war, aber bei der angewandten Vorsicht bald vorüberzog, ohne ein Stück dahingerafft zu haben.
Mit dem 19ten November zeigte sich schon der Anfang des Winters mit Sturm, Schnee und Frost, der aber um Weihnachten wieder gelinder wurd. - Am 9ten Mai wurde die ehemalige schöne Abtei Dalheim ein Raub der Flammen; und am 10ten Mai d.J. verlor die schon im vorigen Jahre so unglückliche Gemeinde Meerhoff wieder 54 Häuser und Kirche nebst Schule durch eine Feiersbrunst.

Am 10ten August ließ der Ortserheber Johann Finger auf einem Gartenplatz auf den sogenannten Schächten neben Adam Schlüter ein neues Häuschen errichten, in dessen Nähe der Töpfer Carl Blume einen Ofen zur Verfertigung von irdenen Töpfen auf Gemeinheits-Grund und Boden anlegte.

Die Fruchtpreise standen mit Ende des Jahres 1838 in ziemlicher Höhe. Der Scheffel Roggen kostete in Lippstadt 1 rth 6-10 Sgr; Gerste 25 Sgr, Hafer 15 Sgr, Rauhfutter 1 rth.

Geboren sind im Laufe des Jahres 29, gestorben 17, worunter 8 Erwachsene waren; copuliert 3 Paare.

Der Ortsbeamte   Sprenger

1839
Auch das Jahr 1838 fing erst mit Schnee, Sturm und Frost an, und öffnete durch ein Gewitter am 15ten Januar gegen 3 Uhr morgens die Windgegend des rauhen Nordens, so daß der in Menge gefallene Schnee sich zwischen den Häusern und Hecken und i den Hohlwegen menschenhoch aufthürmte. Erst am 29sten April siegte der Sonne Kraft, und kündigte durch einen schönen Frühlingstag das Ende des Winters an. Nun ging es an Gärten und Äcker. Mit Entsetzen und bangen Sorgen betrachtete der Landmann die von den Schnecken zerfressene Kornsaat. Dagegen zeigte sich des Schöpfers Güte um so herrlicher in der kaum aufkeimenden Sommerfrucht. Sie wuchs unbeschädigt heran, und verspracjh den genügensten Ersatz für den spärlich dastehenden Roggen. Kartoffel und Flachs geriethen vorzüglich, und heben den Muth unserer Gemeinde. Und der besonders günstige und beständig heitere Herbst gab nicht nur das beste Erntewetter, sonders ließ jedem doppelte Zeit, die noch übrigen Feldarbeiten zu verrichten, und en Flachs größthenteils zu reinigen. Die Fruchtpreise waren durchschnittlich wie im vorigen Jahre.
Im Sommer dieses Jahres wurde der Kirchthurm, dem der Einsturz drohete, von innen mit neuem Holze ausgebaut, und das Dach mit neuem Schiefer belegt, und die Hälfte der bisherigen Schall-Löcher zugemacht, um das Eindringen des Regens zu verhindern. Dem Anscheine nach wird er nunmehr noch einige Generationen durch die wichtigsten Momente ihres Lebens begleiten.
Der Herbst, so günstig und freundlich das Wetter auch war, zeigte sich mit seinem Abschiede noch sehr grausam. Denn die Auflösung der guten Zeit in Wechselwetter erzeugte, wie im vorigen Jahre in den benachbarten Orten, das böse Nervenfieber, welches mehrere in der schönsten Blüte des Lebens ins Grab zog. Zwar übte es seine Wuth nicht mit überraschender Eile aus (es war die febris nervosa lenta), aber verbreitete dann noch um so heftiger seine Wehen über die Befallenen. Denn diejenigen, welche durch fehlerlose Körpers-Constituion dem Tode entkamen, fühlten durchgängig Monate lang eine schmerzliche Mattigkeit in den Beinen, oder wurden gar, nachdem sie schon wieder ihre gewöhnlichen Arbeiten mit bestem Wohlsein verrichtet hatten, wieder bettlägerig.
Am 14ten December starb in der nach Bleiwäsche gehörenden sogenannten Bumbams-Mühle die wegen ihres Alters und ihrer Nachkommenschaft bemerkenswerte Eva Catharina Wicharts. Sie wurde von dem ersten Pfarrer hiesiger Gemeinde, Namens Adam Jürgens, im Jahre 1752 den 25sten Februar getauft, und hat mit dem jetzigen Pfarrer den 15ten Seelsorger dahier erlebt. Um ihr Grab standen 15 lebende, meistens schon graue Kinder, gegen 40 Enkel und gegen 25 Urenkel.
Geboren sind im Laufe des Jahres 21, darunter sind männlichen Geschlechts 9, weiblichen Geschlechts 12; gestorben sind überhaupt 18, darunter waren schon erwachen 13, noch Kinder 5; getraut wurden 4 Paare.

Der Ortsbeamte   Gerlach