Chronik von 1860 bis 1869

1860

In Betreff der Witterung:
Das Jahr 1860 fing mit gelinder Witterung an, welches bis den 3. Februar fortdauerte. Im Monath Februar gab es viel Schnee, jedoch mit mäßiger Kälte. Der März war ebenfalls mit Schnee angefüllt bis zum 10. April, und vom 10. April bis zu Ende rauh und kalt.
Der Mai fing mit rauher, trockener Witterung an, traf jedoch bald Wärme und gedeihliches Wetter ein bis zu Ende. Der Juni fing mit Regen und Kälte an, welches aber nicht lange fortdauerte, gab bald wieder schönes und gedeihliches Wetter.
Der Sommer fing mit Regen an, und war auch bis zu Ende meistentheils naß, so daß das Heu nicht konnte gut eingebracht werden, und die Früchte 3 Wochen später reif wurden, wie in den vorigen Jahren. Die Erndte sah sich hier erfreulich an, besonders die Hafer und Rauhfutter. Auch der Flachs gerieth sehr wohl und gedeihlich. Die Früchte wurden wegen dem anhaltenden Regenwetter sehr naß zu Hause gefahren, so daß vieles Korn in den Häusern der Gefahr des Verderbens drohete. Das Rauhfutter war sehr bedeutend viel gewachsen, aber es gab wenig Korn. Auch war die Hafer sehr ergiebig und gut, dagegen aber gab es wenig Gerste und Kartoffeln. Roggen war ziemlich gut, es wurde aber wegen dem ständigen Regenwetter hier die Aernte spät bis zum 1. November erst  beendigt, und wegen dem frühen Frost und Schnee waren auch viele Kartoffeln in der Erde verfroren. Auch gab es in diesem Jahre viele Frucht an den Buchen, und konnten die Schweine bis zum 27. Dezember auf die Mast getrieben werden, und wurde auch noch außerdem von den hiesigen Einwohnern 300 bis 400 Scheffel Buch eingesammelt von dem hiesigen Forstbezirke, welches ein großer Vortheil für die hiesige Gemeinde war.
In diesem Jahre wurde dies Dorf Bleiwäsche wieder mit zwei Häusern vergrößert, am 21. Juni wurde das Haus des Johann Planken Nr. 33 gehoben, und das Haus des Ludwig Heinrichs Nr. 109 wurde am 5. Juli gehoben. Es wurde in diesem Jahre in der hiesigen Gemeinde für 96 Rth Wegearbeiten gemacht, und zwar im Orte, und unten bei der Wäsche, wo ein jeder Einwohner seinen Betrag in Arbeit selbst ableisten konnte, und wurde der Betrag auf 4 Monathe Grund- und Klassensteuer berechnet, auch zahlte die hiesige Gemeinde pro 1860  168 Rth Defizit, und zwar 6 Monathe Grund- und Klassensteuer, und außerdem noch 20 Rth für Kreis-Wegebau und 16 Rth Kreis-Kriegssteuer.

Die Martini-Fruchtpreise pro 1860 waren:

Weitzen  3 Rth 10 Sgr    pro Scheffel,
Roggen  2 Rth   5 Sgr,
Gerste   1 Rth 25 Sgr,
Rauhfutter     2 Rth 10 Sgr,
Hafer  1 Rth   1 Sgr,
Kartoffeln 1 Rth.

Im Jahre 1860 sind in hiesiger Pfarrei

 geboren und getauft  38
 getraut     5 Paare
 gestorben  35.

Bleiwäsche, den 19. Januar 1861

Der Pfarrer Wigge, der Vorsteher Scholand, der Amtmann Brunnstein,
Gemeinde-Verordnete: Heinrich Schumacher, Joh. Finger, Math. Wittler, August Hötger, Mathias Tacken, Bernhard Wiggen


1861

Das Jahr fing mit starker Kälte an, wurde aber bald wieder gelinde, und der Winter endigte in gelinder Witterung. Der Frühling war sehr rau und kalt, am 30. März gab es schon ein großes Gewitter, jedoch ohne Schaden. Der April endigte mit Schnee und Frostwetter, im Mai war es ebenfalls noch ungünstiges Wetter.
Der Sommer war in diesem Jahre sehr günstig, die Witterung abwechselnd mit Regen und trockenem Wetter vermischt, und sehr fruchtbar. Der Herbst war anfangs ganz schön, welches auch bis zum 13. November fortdauerte, darauf Schnee und Frostwetter, zu Ende veränderlich.

In Betreff der Ernte:
Wein der Frühling anfangs sehr kalt und rauh war, so wurde der Roggen hier sehr dünn, und war im Winter schon verfault geworden, daß derselbe nur spärlich auf dem Felde stand. Dahingegen gab es sehr gute Gerste und Hafer, und besonders gerieth auch das Flachs, dahingegen war das Rauhfutter nicht besonders, welches auch theilweise durch die Schnecken verzehrt wurde. Kartoffeln, welche anfangs so erfreulich und gut aussahen, und jeder Stand, Arme und Reiche, einer guten Kartoffeln-Ernte entgegen sahen, aber der allmächtige Gott hatte es ganz merkwürdig damit gemacht, und am Ende Juli waren die Kartoffeln schon alle vertrocknet, und bei der Ernte so klein und wenig, wie wohl in 15 Jahren nicht gewesen ist, und unter der armen Klasse Menschen Hungersnoth entstand.
Die Früchte wurden in diesem Jahre alle ganz trocken eingescheuert, jedoch war es in der letzten Aerntezeit 14 Tage Regenwetter, wo die letzteren Früchte noch Schaden litten von den vielen Mäusen, welche hier waren und auch sogar die junge Roggensaat theilweise ganz verzehrten.

Unglücksfälle
Am 28. Mai brannte das Haus Nr. 39 des Martin Sprenger und Anton Schooand des Morgens um 2 Uhr ab, und am 13. Juli wurde das Haus des Anton Scholand wieder aufgehoben, und bauete auf die alte Hausstätte seines Vaters, wo Haus Nr. 40 gestanden hatte. Am 24. Juli wurde das Haus des Martin Ellebracht gehoben, und am 7. September wurde das Haus des Martin Schlüter Nr. 39 wieder aufgehoben, und die hiesige Gemeinde wieder zwei Häuser größer geworden ist. In diesem Jahre wurde von hiesiger Gemeinde für 109 Rth Wegebauten angefertigt, und zwar der Weg unter dem Hohenstein, welcher ein Communalweg nach Alme ist, und wurde dieser Betrag auf 4monathliche Grund- und Klassensteuer berechnet. Jedoch war es einem jeden Einwohner gestattet, seine Beiträge durch Arbeit selbst abzuleisten. Auch zahlte die hiesige Gemeinde an Kreissteuer für Wegebau 16 Rth und Kreis-Kriegssteuer und an Gemeinde-Abgaben oder Defizit 168 Rth, worin die Kreis-Wegeb austeuer und Kriegssteuer mit enthalten sind, und auf 6monathliche Grund- und Klassensteuer rekrutiert wird.

Die Martini-Fruchtpreise sind:

1 Scheffel 

 Roggen 2 Rth 25 Sgr
Weitzen 3 Rth 15 Sgr
Gerste    1 Rth 25 Sgr
Rauhfutter 2 Rth 15 Sgr
Hafer   1 Rth   2 Sgr
Kartoffeln 1 Rth 10 Sgr.

Im Jahre 1861 sind in hiesiger Gemeinde

geboren und getauft 35
getraut 4 Paare
gestorben 26.

Der Pfarrer Wigge, der Vorsteher Scholand,
Gemeinde-Verordnete: Math. Wittler, Mathias Tacken, Johannes Dietz


An mein Volk!

König Friedrich Wilhelm der 4. ruht in Gott. Er ist erlöst von den schweren Leiden, die er in frommer Ergebung trug. Unsere Tränen, die in gerechter Trauer fließen, wolle der Herr in Gnaden trocknen, des Entschlafenen gesegnetes Andenken wird in meinem, in Eurem Herzen nicht erlöschen.
Niemals hat ein Königs-Herz treuer für sein Volk geschlagen. Der Geist, in welchen unseres hochseeligen Vaters Majestät, der Heldenkönig - so nannte ihn nun des heimgegangenen Königlicher Sohn - nach den Jahren des Unheils sein Volk wieder aufrichtete, an welchen mein verklärter Bruder hochherzig theil nahm, war König Friedrich Wilhelm dem Vierten ein heiliges Erbtheil, welches er treu zu pflegen wußte. Ueberall gewährte er edlen Kräften Anregung und förderte deren Entfaltung. Mit treuem Eifer war er bemüht, dem gesamten Deutschen Vaterlande höhere Ehre und festere Einigung zu gewinnen. Als eine unheilvolle Bewegung des Geistes alle Grundlagen des Rechts erschüttert hatte, wußte meines in Gott  ruhenden Bruders Majestät die Bewirrung zu enden, durch eine neue politische Schöpfung die unterbrochene Entwicklung herzustellen und ihrem Fortgange feste Bahnen anzuweisen.
Dem Könige, der so Großes zu begründen wußte, dessen unvergeßliches Wort „Ich und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen“ auch meine Seele erfüllt, gebührt ein hervorragender Platz in der glorreichen Reihe der Monarchen, welchen Preußen seine Größe verdankt, welche es zum Träger des deutschen Geistes machten.
Dies hohe Vermächtnis meiner Ahnen, welches sie in unabläßlicher Sorge mit ihrer besten Kraft, mit Einsetzung ihres Lebens gegründet und gemehrt haben, will ich treulich wahren. Mit Stolz sehe ich mich von einem so treuen und tapferen Volke, von einem so ruhmreichen Heere umgeben. Meine Hand soll das Wohl und das Recht aller in allen Schichten der Bevölkerung hüten, sie soll schützende und fördernd über diesen reichen Segen walten.
Es ist Preußens Bestimmung nicht, dem Genuß der erworbenen Güter zu leben. In der Anspannung seiner geistigen und sittlichen Kräfte, in dem Ernst und er Aufrichtigkeit seiner religiösen Gesinnung, in der Vereinigung von Gehorsam und Freiheit, in der Stärkung seiner Wehrkraft liegen die Bedingungen seiner Macht; nur so vermag es einen Rang unter den Staaten Europas zu behaupten. Ich halte fest an den Traditionen meines Hauses, wenn ich den vaterländischen Geist meines Volkes zu heben und zu stärken mir vorsetzt. Ich will das Recht des Staats nach seiner geschichtlichen Bedeutung befestigen und ausbauen, und die Institutionen, welche König Friedrich der Vierte ins Leben gerufen hat, aufrecht erhalten. Treu dem Eide, mit welchem ich die Regentschaft übernahm, werden ich die Verfassung und die Gesetze des Königreiches schirmen. Möge es mit unter Gottes gnädigem Beistand gelingen, Preußen zu neuen Ehren zu führen. Meine Pflichten für Preußen fallen mit meinen Pflichten für Deutschland zusammen, - als deutschen Fürsten liegt mir ob, Preußen in derjenigen Stellung zu kräftigen, welche es vermöge seiner ruhmvollen Geschichte, seiner entwickelten Heeres-Organisation unter den deutschen Staaten einnehmen muß. Das Vertrauen auf die Ruhe Europas ist erschüttert. Ich werde mich bemühen, die Segnungen dies Friedens zu erhalten; dennoch können Gefahren für Preußen und Deutschland heraufziehen. Möge dann Gott vertrauenden Muth, welcher Preußen in seinen großen Zeiten beseelte, sich an mir und meinem Volke bewähren, und dasselbe mir auf meinen Wegen in Treue, Gehorsam und Ausdauer fest zur Seite stehen!
Möge Gottes Segen auf den Aufgaben ruhen, welche sein Rathschluß mir übergeben hat!

Berlin, am 7. Januar 1861
Wilhelm

1862

In Betreff der Witterung
Das Jahr 1862 fing mit gelinder Witterung an, gab viel Regen und wenig Schnee, so daß das Deputatholz konnte nicht zu Hause gebracht werden, und erst meistentheils im Sommer gefahren wurde. Der Frühling fing mit gelinder Witterung an, wurde aber bald darauf sehr kalt, und gab am 12. April noch Schnee. Am 1. Mai gab es ein großes Gewitter, was hier am Roggen vielen Schaden zufügte, darauf kalte und rauhe Witterung bis den 16. Juni.
Der Sommer war anfangs naß, wurde aber bald wieder trocken und warm, und das Heu konnte gut eingescheuert werden. Am 18. August gab es ein sehr großes Gewitter, das wie ein Wolkenbruch herunterströmte, und das Wasser an vielen Orten großen Schaden zufügte, und war auch in letzterer Zeit des Monaths August fast jeden Tag und Nacht ein Gewitter.
Der Herbst war durch und durch mit gutem Erntewetter angethan, und konnten alle Früchte ganz trocken und gut eingescheuert werden.

In Betreff der Ernte
Die Ernte war in diesem Jahre meistentheils ganz erfreulich, jedoch war der Roggen hier nicht besonders gut, aber dagegen war die Gerste, Hafer und Rauhfutter ganz ausgezeichnet gut, wie in den 3 vorigen Jahren nicht gewesen ist. Auch waren die Kartoffeln in diesem Jahre weit besser wie im vorigen. Das Flachs war auch in diesem Jahre gut gerathen in dieser ganzen Umgegend.

Unglücksfälle
Am 14. März des Morgens um 2 Uhr brannten die Häuser des Johann Höing und dessen Scheune, und das Haus des Ferdinand Balkenhol und das Haus des Ludwig Dietz und Erben Johann Tacken, welche ganz total eingeäschert wurden. Am 21. Juni wurde das Haus und Scheune des Johann Höing wieder aufgehoben, am 28. Juni wurde das Haus des Ludwig Dietz wieder neu aufgehoben, und am 5. Juli das Haus des Ferdinand Balkenhol wieder gehoben, und ganz massiv aufgebaut.

In Betreff des Communal-Wesens
Wi diesen Jahre wurde durch die hiesigen Einwohner 65 Ruthen Wegebau-.Arbeiten mit Steinpacke angefertigt, und zwar unten auf der Schächte, welches sich auf 100 Rth betrug. Es wurde zu diesen Wegebauten 4monathliche Grund- und Klassensteuer veranschlagt, und konnte jeder Einwohner seine Beiträge durch Arbeit selbst ableisten. Es wurde zu den Gemeinde-Abgaben ein 6monathlicher Grund- und Klassensteuerbetrag gehoben. Von 168 Rth waren jedoch 20 Rth zu Kreis-Wegebau, und 16 Rth zu Kreis-Kriegssteuer verwendet worden.

Die Martini-Marktpreise pro 1862 sind:
das Scheffel    

Weitzen 2 Rth 25 Sgr
Roggen 2 Rth 10 Sgr
Gerste 1 Rth 20 Sgr
Rauhfutter 2 Rth
Hafer  26 Sgr
Kartoffeln 20 Sgr.

In diesem Jahre sind geboren 23, gestorben 14, getraut 5 Paare.

Der Pfarrer Wigge;        Der Vorsteher Scholand;
Verordnete Math. Wittler, Math. Tacken, Johann Dietz.

1863

In Betreff der Witterung
Das Jahr 1863 fing mit gelinder Witterung an, welche auch fortdauerte bis zum 15. März, darauf rauh und kalt. Der April fing ebenfalls mit rauher, kalter Witterung an bis zum 22. Am 23. und 24. gab es Schnee und sehr kalt, darauf Regen bis zu Ende. Der Mai fing ebenfalls mit kaltem und trockenem Wetter an bis zum 17., darauf Regen bis den 23., bis Ende gut. Juni war anfangs trocken und kalt bis den 13., darauf warm und bisweilen Regen bis zu Ende.
Juli war anfangs warm bis zum 12., darauf kalt bis den 26., am 30. gab es ein großes Gewitter mit starkem Regen. August fing mit warmem Wetter an und schön bis zum 19., darauf Regen bis zu Ende. Der September fing mit stürmischem Wetter an, welches bis zum 14. fortdauerte, darauf schön bis zu Ende. Der October war vonAnfang bis zu Ende schön. Der November fing mit Regen an, und ungestüm, den 13. Schnee, bis Ende schön. Der Dezember fing mit stürmischem Wetter an; den 5. Regen, darauf veränderlich bis zu Ende.
Der Winter war in diesem Jahre sehr gelinde, mit vielem Regen vermischt. Der Frühling hingegen rauh und kalt. Der Sommer schien anfangs schlecht, aber zu Ende besonders gut. Der Herbst ganz schön und gelinde.

In Betreff der Ernte
Die Ernte war in diesem Jahre eine ganz vorzüglich gute zu nennen, es gerith alles wohl. und wurde auch alles ganz trocken und gut eingebracht, besonders hier auch das Rauhfutter und die Kartoffeln-Ernte, Flachs gerieth mittelmäßig.

Unglücksfälle
Am 22. Oktober des Abends um 9 Uhr brannte das Haus des Joseph Finger ab und wurde ganz total eingeäschert.

In Betreff des Cummunal-Wesens
In diesem Jahre wurde für 109 Rth Wegebauten in hiesiger Gemeinde gemacht, und zwar auch 4-monathlicher Grund- und Klassensteuer berechnet, und konnte ein jeder Einwohner den auf ihn fallenden Betrag selbst in Arbeit ableisten. Auch zahlte die hiesige Gemeinde an Defizit 6-monathliche Grund- und Klassensteuer, waren jedoch 20 Rth zu Kreis-Wegebausteuer und 16 Rth zu Kriegssteuer gezahlt worden.

Kriegsbewegung
Im Dezember wurde die 13. Division des 7. Armee-Corps mobil gemacht, und rückte aus der Garnison nach Schleswig. Das Bundesland Holstein war schon mit anderen deutschen Truppen besetzt. Aus hiesiger Gemeinde befinden sich folgende Jünglinge in Schleswig mit im kriegerischen Gefechte: 1. Bernhard Wiggen, 2. August Hillebrand, 3. Jacob Droll, 4. Heinrich Eley, 5. August Birkenfeld, 6. Anton Schefers, 7. Johann Sprenger, 8. Wilh. Tacken.

Die Martini-Marktpreise sind:
das Scheffel 

Weitzen 2 Rth 10 Sgr
Roggen 1 Rth 22 Sgr
Gerste 1 Rth 15 Sgr
Rauhfutter 1 Rth 20 Sgr
Hafer    26 Sgr
Kartoffeln      15 Sgr.

Gestorben sind in hiesiger Gemeinde 26, geboren 24, getraut 4 Paare.

Der Pfarrer Wigge;        Der Vorsteher Scholand;
Verordnete Wiggen, Wittler, Dietz, Schumacher, Balkenhol.

1864

In Betreff der Witterung
Das Jahr 1864 fing mit starker Kälte an, welches auch bis zum Februar fortdauerte; am 9. Februar trat gelinde Witterung ein, welches bis zum 25. März anhielt, darauf gab es starkes Fristwetter bis zum 15. April. Der Frühling war anfangs ganz trocken und kalt, daß die Früchte nicht gut hervor wuchsen; am 25. Mai gab es hier noch Schnee; den 4. Juni gab es ein starkes Gewitter, welches jedoch ohne merklichen Schaden vorbeiging.
Der Juni war sehr feucht und rauhe Witterung, am 9. Juli trag warme und trockene Witterung ein bis im August, danach veränderlich. Die Witterung im September und October war ganz ungünstig und sehr feucht. Im Herbst gab es früh Frostwetter und große Kälte, so daß an vielen Orten die Kartoffeln nicht ausgemacht werden konnten, und viele in der Erde verfroren sind, und auch im ganzen einen geringen Ertrag lieferten.

In Betreff der Ernte
Die Ernte war in diesem Jahre eine gute zu nennen, es gerieth alles wohl, obschon im Sommer sehr kalte und nasse Witterung war, und mancher einer schlechten Ernte entgegensah, so hatte es doch der Allmächtige und Weise Vater ganz anders gemacht. Es wurde die ganze Ernte eine zufriedene zu nennen, und ist auch meistentheils alles trocken und gut eingescheuert worden, besonders gut war in hiesiger Gegend das Flachs gerathen, dahingegen haben die Kartoffeln einen sehr geringen Ertrag geliefert.

Unglücksfälle
Am 7. April d.J. des Nachmittags ging das Haus Nr. 29 des Johann Heinrichs in Flammen auf, es war aber ganz nahe an der Gegend viel Wasser vorhanden, und wurde der untere Theil des Hauses durch die hiesige Feuerspritze gerettet, daß derselbe fast unverletzt stehen blieb. Am 20 Juli brannte das Obergebäude des Adam Kiphardt ab Nr. 4, und Ende des Monaths wieder aufgehoben. Am 9. Juli wurde das Haus des Johann Heinrichs wiedern neu aufgehoben, und am 13. Juli das Haus Nr. 40 der Lisette Müller gehoben.

In Betreff des Communal-Wesens
In diesem Jahre wurde für 109 Rth Wegebau in hiesiger Gemeinde gemacht, und zwar auf 4-monathlicher Grund- und Klassensteuer berechnet, und konnte einjeder Einwohner den auf ihn fallenden Betrag selbst in Arbeit ableisten; auch zahlte die hiesige Gemeinde an Defizit 6-monathliche Grund- und Klassensteuer, waren jedoch 20 Rth zu Kreis-Wegebausteuer und 16 Rth zu Kreis-Steuer gezahlt worden.

Kriegsbewegung
Im October d.J. sind die Reservisten und Landwehrmänner, welche v.J. zur Fahne gerufen wurden, und in Schleswig Holstein gegen das Königreich Dänemark in Gefecht standen, wieder in ihre Heimath entlassen, und ist zwischen den Monarchen des Österreich, Preußen und Dänemark ein definierter Friede geschlossen worden. Aus hiesiger Gemeinde haben an dem Feldzuge theilgenommen: 1. Bernhard Wiggen, 2. August Hillebrand, 3. August Birkenfeld, 4. August Schefers, 5. Jacob Droll, 6. Johann Scholand, 7. Heinrich Eley, 8. Thede Hengsbach.
Die am 9. Dezember 1864 vorgenommene Volkszählung ergab 672 Einwohner, und zwar 633 katholisch und 7 evangelisch; die Viehzählung ergab 63 Pferde, 19 Fohlen, 1 Esel, 197 Stück Rindvieh, 337 Stück Schafe, 139 Schweine, 81 Ziegen, 38 Bienenstöcke.

Die Martini-Marktpreise 1864 waren:
das Scheffel

Weitzen 2 Rth   5 Sgr
Roggen  1 Rth 25 Sgr
Gerste 1 Rth 15 Sgr
Rauhfutter  1 Rth 20 Sgr
Hafer   26 Sgr
Kartoffeln    25 Sgr.

In hiesiger Gemeinde sind

gestorben  19
geboren 35
getraut 5 Paare.

Der Pfarrer Wigge;        Der Vorsteher Scholand;
Verordnete: Sprenger, Wiggen, Wittler, J. Balkenhol, Dietz, Schumacher

1865

In Betreff der Witterung
Das Jahr 1865 fing mit starker Kälte an, welches auch bis zum Februar fortdauerte; im Februar gab es bisweilen auch Regen, aber die Erde wurde nicht aufgetauet vom 17. Dezember bis zum April; im März gab es noch ganz viel Schnee, und große Kälte bis zum 8. April, darauf etwas schön und ganz trocken bis im Mai. Der Mai war ganz schön, aber wegen der großen Dürre konnten die Sommerfrüchte nicht gut aufgehen. Der Juni war ebenfalls ganz trocken und rauh, am 21. und 22. Juni gab es noch starken Frost, daß das Kartoffeln.Kraut auf vielen Stellen verfror. Der Sommer fing mit Regen an, gab aber bald wieder ganz trockene Witterung, daß wegen der großen Dürre und Hitze es wenig Heu und Klee gab. Im August war die Witterung etwas feucht, daß der Roggen auswuchs in den Haufen, allein gab es im September bieder ganz gute Witterung, und konnte die Ernte ganz trocken und gut eingebracht werden. Der Herbst war ganz schön, im November etwas feucht, danach ganz gut bis zu Ende.

In Betreff der Ernte
Die Ernte war in diesem Jahre nicht so reichlich ausgefallen wie im Vorjahre, weil der Sommer so ganz trocken war, und deswegen die Ernte spärlicher ausfiel. Heu und Klee gab es ganz wenig. Hafer und Rauhfutter blieben kurz und dünn; jedoch war der Hafer reichlich an Korn. Der Roggen und Gerste geriethen mittelmäßig, das Flachs war in diesem Jahre nicht besonders gut gerathen, dagegen aber waren die Kartoffeln ganz besonders gut gerathen.

Unglücksfälle
Am 9. Februar abends 7 Uhr brannte das Haus der Wittwe Hengsbach Nr. 54 ganz total ab, und am 14. September fiel der Augustin Schefers bei dem Hausheben des Joseph Finger Nr. 16 vom Boden herunter und gleich tot, hinterließ 6 Kinder und seine Frau in einem armen Zustande.

In Betreff des Communal-Wesens
Es wurden in diesem Jahre ein Defizit von 6 Monathen Grund- und Klassensteuer gehoben, wovon 40 Rth zu Kreis-Wegebau verwandt wurden. Außerdem bringt die Gemeinde-Ziegelei jährlich 161 Rth Pacht ein, welche ebenfalls zur Bestreitung der Gemeinden Abgaben verwendet wurden.

Die Martini-Marktpreise waren:
das Scheffel

Weitzen 2 Rth  10 Sgr
Roggen 1 Rth 27 Sgr
Gerste  1 Rth 15 Sgr
Rauhfutter 2 Rth 10 Sgr
Hafer   1 Rth   5 Sgr
Kartoffeln 15 Sgr.

In hiesiger Gemeinde sind

gestorben 17
geboren 23
getraut 2 Paare.

Der Vorsteher Scholand;
Die Gemeinde-Vertreter: Wiggen, Wittler, Sprenger, Dietz, Joh. Balkenhol

1866

In Betreff der Witterung
Das Jahr 1866 fing mit gelinder Witterung an, welche auch bis zum Frühjahre fortdauerte, und gab wenig Frost und Schnee, bisweilen aber Regen.
Das Frühjahr war anfangs warm und feucht, zuletzt aber kalt und trocken, so daß im Juni noch starke Fröste kamen.
Der Sommer fing mit warmer Witterung an, gab aber bald langwierigen Regen und kalte Witterung, welches bis zum October fortdauerte.
Der Hebst war anfangs ganz schön und warm, so daß die ganzen Früchte ganz schön und trocken zu Hause gefahren werden konnten, welches auch bis zum 15. November fortdauerte; darauf gab es viel Regen und große Windstürme bis zum Ende.


In Betreff der Ernte
Die Ernte war in diesem Jahre keine ganz gute zu nennen, indem die Mäuse an allen Früchten bedeutend großen Schaden zufügten, und der Roggen nicht ergiebig war, und mußte wohl 20 Bund zu 1 Scheffel dreschen. Hafer und Raufutter waren mittelmäßig gerathen, aber das Raufutter gab sehr wenig an Körner. Gerste war in diesem Jahre ganz schlecht, weil die Mäuse sämtliche Früchte über die Hälfte vernichtet hatten; Flachs gab es ganz wenig in diesem Jahre. Die Kartoffeln-Ernte war in diesem Jahre eine ganz geringe, und daher eine große Hungersnoth in hiesiger Gegend entstand, und alles sehr theuer wurde.


In Betreff des Communal-Wesens
Es wurde in diesem Jahre ein Defizit von 6-monathlicher Grund- und Klassensteuer gehoben, wovon 40 rth zu Kreis-Wegebau verwandt wurden, außerdem bringt die hiesige Gemeinde-Ziegelei jährlich 161 rth Pachtgeld ein, welche ebenfalls zur Bestreitung der Gemeinde Abgaben verwandt wurden. Im Monath Juli den 17ten wurde das Haus der Witwe Augustinus Schefers gehoben.


Kriegs-Ereignisse
Im Monat Mai d.J. brach ein großer und gefährlicher Krieg aus, so daß alle Reserve- und Landwehrmänner zum Kriegsdienste einberufen wurdne, und die ganze Preußische Armee mobil gemacht wurde, und Oesterreich und Baiern, Sachsen und Hannover, Hessen, alle hatten mobil gemacht gegen Preußen, allein die Preußen fechteten allein gegen die erwähnten Monarchen, und gewannen alle Schlachten mit Oesterreich, Baiern, Hannover und Sachsen und auch Nassau und Hessen, und wurde auch zu einem großen blutigen Kriege, wo viele Tausende Soldaten das Opfer des Todes wurden.
Im October wurde mit Oesterreich und Baiern und Sachsen der Friede gegen Preußen geschlossen. Oesterreich, Baiern und Sachsen mußten viele Kriegskosten an Preußen zahlen, und Preußen eroberte noch das ganze Königreich Hannover, das Kurfürstenthum Hessen, und das Herzogthum Nassan, und die Freie Reichsstadt Frankfurt am Main, so daß das Königreich Preußen gegen 4 ¼ Million Seelen vergrößert wurde.
Aus hiesiger Gemeinde haben an diesem großen Kriege theil genommen: Fritz Hüser, Caspar Droll, August Hillebrand, Bartscherer, August Schefers, Johann Sprenger, August Birkenfeld, Thede Hengsbach, Heinrich Elei, Thede Oto, Caspar Wittler, Anton Kersting, Joseph Tacken, welcher auch im Gefechte gestorben ist.

Die Martini-Marktpreise waren:

Das Scheffel Weitzen  3 rt 10 gr
das Scheffel Roggen 2 rt 15 gr
das Scheffel Gerste 2 rt
das Scheffel Raufutter 2 rt 3 gr
das Scheffel Hafer 1 rt  3 gr
das Scheffel Kartoffeln 1 rt

Gestorben sind 1866 in hies. Gemeinde 15, geboren sind 31, getraut sind 4 Paare.

Der Pfarrer    gez. Wiggen
Der Vorsteher    Scholand
Verordnete: Hötger, Sprenger, Bernhard Tacken, Adam Schumacher

1866

In Betreff der Witterung
Das Jahr 1866 fing mit gelinder Witterung an, welche auch bis zum Frühjahre fortdauerte, und gab wenig Frost und Schnee, bisweilen aber Regen.
Das Frühjahr war anfangs warm und feucht, zuletzt aber kalt und trocken, so daß im Juni noch starke Fröste kamen.
Der Sommer fing mit warmer Witterung an, gab aber bald langwierigen Regen und kalte Witterung, welches bis zum October fortdauerte.
Der Hebst war anfangs ganz schön und warm, so daß die ganzen Früchte ganz schön und trocken zu Hause gefahren werden konnten, welches auch bis zum 15. November fortdauerte; darauf gab es viel Regen und große Windstürme bis zum Ende.


In Betreff der Ernte
Die Ernte war in diesem Jahre keine ganz gute zu nennen, indem die Mäuse an allen Früchten bedeutend großen Schaden zufügten, und der Roggen nicht ergiebig war, und mußte wohl 20 Bund zu 1 Scheffel dreschen. Hafer und Raufutter waren mittelmäßig gerathen, aber das Raufutter gab sehr wenig an Körner. Gerste war in diesem Jahre ganz schlecht, weil die Mäuse sämtliche Früchte über die Hälfte vernichtet hatten; Flachs gab es ganz wenig in diesem Jahre. Die Kartoffeln-Ernte war in diesem Jahre eine ganz geringe, und daher eine große Hungersnoth in hiesiger Gegend entstand, und alles sehr theuer wurde.


In Betreff des Communal-Wesens
Es wurde in diesem Jahre ein Defizit von 6-monathlicher Grund- und Klassensteuer gehoben, wovon 40 rth zu Kreis-Wegebau verwandt wurden, außerdem bringt die hiesige Gemeinde-Ziegelei jährlich 161 rth Pachtgeld ein, welche ebenfalls zur Bestreitung der Gemeinde Abgaben verwandt wurden. Im Monath Juli den 17ten wurde das Haus der Witwe Augustinus Schefers gehoben.


Kriegs-Ereignisse
Im Monat Mai d.J. brach ein großer und gefährlicher Krieg aus, so daß alle Reserve- und Landwehrmänner zum Kriegsdienste einberufen wurdne, und die ganze Preußische Armee mobil gemacht wurde, und Oesterreich und Baiern, Sachsen und Hannover, Hessen, alle hatten mobil gemacht gegen Preußen, allein die Preußen fechteten allein gegen die erwähnten Monarchen, und gewannen alle Schlachten mit Oesterreich, Baiern, Hannover und Sachsen und auch Nassau und Hessen, und wurde auch zu einem großen blutigen Kriege, wo viele Tausende Soldaten das Opfer des Todes wurden.
Im October wurde mit Oesterreich und Baiern und Sachsen der Friede gegen Preußen geschlossen. Oesterreich, Baiern und Sachsen mußten viele Kriegskosten an Preußen zahlen, und Preußen eroberte noch das ganze Königreich Hannover, das Kurfürstenthum Hessen, und das Herzogthum Nassan, und die Freie Reichsstadt Frankfurt am Main, so daß das Königreich Preußen gegen 4 ¼ Million Seelen vergrößert wurde.
Aus hiesiger Gemeinde haben an diesem großen Kriege theil genommen: Fritz Hüser, Caspar Droll, August Hillebrand, Bartscherer, August Schefers, Johann Sprenger, August Birkenfeld, Thede Hengsbach, Heinrich Elei, Thede Oto, Caspar Wittler, Anton Kersting, Joseph Tacken, welcher auch im Gefechte gestorben ist.

Die Martini-Marktpreise waren:

Das Scheffel Weitzen 3 rt  10 gr
das Scheffel Roggen 2 rt  15 gr
das Scheffel Gerste  2 rt
das Scheffel Raufutter 2 rt    3 gr
das Scheffel Hafer  1 rt    3 gr
das Scheffel Kartoffeln 1 rt

Gestorben sind 1866 in hies. Gemeinde 15, geboren sind 31, getraut sind 4 Paare.

Der Pfarrer    gez. Wiggen
Der Vorsteher    Scholand
Verordnete: Hötger, Sprenger, Bernhard Tacken, Adam Schumacher

1867

In Betreff der Witterung
Das Jahr 1867 fing mit Schnee und Frostwetter an, was aber nicht lange anhielt, und der Winter war durch und durch feucht mit großen Wassergüssen. Der Frühling fing ebenfalls mit Regen an, und gab fast täglich Regen. Den 22. und 23. Mai gab es noch Schnee und sehr kalt, darauf etwas trocken, aber sehr rau und kalt. Der Sommer war anfangs feucht und kalt, aber zuletzt auch trocken und warm. Der Herbst war sehr feucht und mit vielem Regen vermischt, so dass die Ernte ganz spät beendigt wurde, und viele Früchte sehr naß zu Hause gebracht wurden.

In Betreff der Ernte
Die Ernte war in diesem Jahre keine ganz gute tu nennen, indem die vielen Mäuse den Roggen vorigen Herbst so sehr gefressen hatten, dass kaum ¼ des Bedarfs nur geerntet wurde und die Einwohner in hiesiger Gegend genöthigt waren, den Saat-Roggen zu kaufen, und wegen der großen Theuerung und Mangel an Roggen erhielt die hiesige Gemeinde im October 112 Centner Roggen und 112 Centner Mehl aus dem königl. Magazin in Minden. Auch die übrigen Gemeinden in hiesigem Amte, und im Amte Atteln erhielten die Gemeinden Roggen und Mehl aus dem königl. Magazin in Minden, und muß 1868 nach der Ernte wieder zurückgeliefert, oder der durchschnittliche Preis dafür gezahlt werden. Die Hafer, Gerste und Raufutter waren mittelmäßig gerathen, und die Hafer war auch ergiebig an Körnern; das Flachs war ebenfalls ziemlich gut gerathen. – Die Kartoffeln-Ernte war in hiesiger Gegend erfreulich, aber wegen dem Mangel des Roggens wurden die Kartoffeln sehr theuer, und weil der Herbst sehr feucht und mit Regen angethan war, so wurde die Ernte erst spät im October beendigt.

In Betreff des Cummunal-Wesens
Es wurde in diesem Jahre ein Defizit von 6 monathlicher Grund- und Klassensteuer gehoben, wovon jährlich 40 rt zu Kreis-Wegebau verwendet wurden.
Auch wurde in diesem Jahre der Weg vom Gemeindebrunnen im Orte herauf bis zur Kreisstraße mit einer neuen Packlage verbessert, und auch der Weg am Loh. Am 21. September wurde das Haus des Thede Hengsbach Nr. 54 wieder gehoben, was vor 2 Jahren abgebrannt war.

Die Martini-Marktpreise waren:

Das Scheffel Weizen kostet 4 rt   5 gr
Das Scheffel Roggen kostet  3 rt  10 gr
Das Scheffel Gerste kostet 2 rt  10 gr
Das Scheffel Raufutter kostet 2 rt  20 gr
Das Scheffel Hafer kostet 1 rt    8 gr
Das Scheffel Kartoffeln kostet 1 rt.

Gestorben sind 1867 in hiesiger Gemeinde 18, geboren 31, getraut 8 Paare.

Bleiwäsche, 13. Januar 1868

Der Pfarrer Wigge
Der Vorsteher Scholand
Die Gemeindevertreter Bernhard Tacken, Sprenger, Hötger; Schumacher.

1868

In Betreff der Witterung
Das Jahr 1868 fing mit mäßiger Kälte an und endigte der Winter mit gelinder Witterung. Der Frühling fing mit gelinder und schöner Witterung an, was aber nicht lange fortdauerte. Am 10., 1. und 12. April gab es noch viel Schnee und kalte Witterung, und sehr feucht bis anfangs Mai. Der Mai9 war von Anfang bis zu Ende sehr warm und fruchtbar, dass der Rogen hier schon im Mai in der Blüthe stand. Der Sommer war ganz trocken und warm, so dass im Juli die Ernte schon begann, und alles trocken und gut eingescheuert wurde.
Der Herbst fing mit trockenem Wetter an, gab aber bald Regen, und war zuletzt durch und durch ganz schön und sehr windig. Am 2. Dezember war des Morgens um 8 Uhr ein ganz heftiger Windsturm, welcher großen Schaden zugefügt hat, dass die Ziegeln von den Dächern und die Bäume in den Wäldern umgemähet, und sogar Häuser und Kirchen umgewehet sind, und sich in ganz Europa umgegriffen hat.


In Betreff der Ernte
Die Ernte war in diesem Jahr eine gute zu nennen, weil der Roggen und Kartoffeln hier ganz gerathen sind. Auch die Hafer und Raufutter ist mittelmäßig gerathen, so wie auch Heu und Klee. Dahingegen ist das Flachs nicht ganz gut gerathen. Die Ernte wurde in diesem Jahre früher wie sonst beendigt, wegen der großen Hitze im Sommer.


In Betreff des Communal-Wesens
Es wurde in diesem Jahre ein Defizit von 5 Monathen Grund- und Klassensteuer gehoben; waren jährlich 40 rt zu Kreis-Wegebauten verwandt worden, und 161 rt Ziegelei-Pacht, welches ebenfalls zur Bestreitung der Gemeinde Abgaben verwandt wurden. Auch wurde in diesem Jahre 40 Ruthen lang Steinbahn in den xxxx herauf und 36 laufende Ruthen lang unter dem Wolfsknappe gemacht, und dieser Betrag aus dem Ersparnisse-Font, was in der Sparkasse Büren gelegt war, bestritten. Auch wurde in diesem Jahre eine neue Orgel in hiesiger Kirche angeschafft, welche 440 rt kostete und aus hiesiger Gemeinde-Casse betritten wurde.

Auch mussten die hiesigen Einwohner, welche 1867 aus dem königl. Magazin in Minden Roggen ampfangen hatten, 748 rt 24 gr dafür bezahlen, nämlich 112 Centner Rogen und 112 Centner Mehl, welches 312 14/16 Scheffel ausmacht und sich der Scheffel Rogen mit 2 rt 18 gr berechnet. – Der hiesige Roggen aber hier in Westphalen 1867  3 rt 10 gr im Durchschnitte kostete.

Die Martini-Marktpreise sind

Das Scheffel Weizen kostet 2 rt 25 gr
Das Scheffel Roggen kostet  2 rt 10 gr
Das Scheffel Gerste kostet  2 rt 10 gr
Das Scheffel Raufutter kostet 2 rt 20 gr
Das Scheffel Hafer kostet 1 rt   9 gr
Das Scheffel Kartoffeln kostet       20 gr.

Gestorben sind 1868 in hiesiger Gemeinde 24, geboren sind 20, getraut sind 0 Paare.

Bleiwäsche, den 20. 1. 1869

Der Pfarrer Wigge
Der Vorsteher Scholand
Verordnete: Hötger, Sprenger, B. Tacken, Schumacher.

Eingesehen:
Fürstenberg, den 5. Mai 1869
Der Amtmann
Braunsteins?????

1869

In Betreff der Witterung
Das Jahr 1869 fing mit gelinder Witterung an, welche auch fortdauerte bis April. Der Winter war sehr naß und gab wenig Schnee und Frost. Das Frühjahr aber war sehr rau und kalt, welches auch bis Juli fortdauerte. Der Sommer war in diesemJahre sehr kühl und anfangs trocken, zuletzt aber viel Regen, dass die Früchte nicht gut eingescheuert werden konnten.
Der Herbst fing mit Regenwetter an, und war durch und durch naß und kalt, so dass am 26.Oktober schin viel Schnee fiel und Frostwetter eintrat, so dass viele Leute die Kartoffeln und Gartengewächse nicht einscheuern konnten.


In Betreff der Ernte
Die Ernte war in diesem Jahre keine ganz gute zu nennen, indem die Mäuse hier sehr viel Schaden an den Früchten verursacht haben, und der Roggen und Hafer nicht ergiebig war. Das Raufutter gab sehr wenig an Körnern, Flachs war ganz schlecht in diesem Jahre geraten. Dagegen waren die Kartoffeln ganz gut gerathen. Das Heu war in diesem Jahre ganz wenig gewachsen, und kostet das Centner 1 rt 10 gr und das Centner Stroh 24 gr.


In Betreff des Communal-Wesens
Es wurde ihn diesem Jahre ein Defizit von 7 monathlicher Grund- und Klassensteuer gehoben, wovon 77 rt zu Kreis-Wegebaukosten gezahlt werden mußten. Außerdem bringt die hiesige Gemeinde Ziegelei jährlich 161 rt Pachtgeld ein, welche ebenfalls zur Bestreitung der hiesigen Gemeinde-Abgaben benutzt wurden. Auch wurde in diesem Jahre der Weg von der Kreisstraße bei Joseph Finger seinem Hause an bis nach Heinrich Dietz seinem Hause ausgebessert, und die Fenster in hiesiger Schule und Pastorathe wie auch die Thüren neu angestrichen.


Unglücksfälle
Am 17. März des Morgens um 2 Uhr brannte das Haus des Anton Bartscherer und Christoph Bange Haus Nr. 45 total ab, und am 12. Juni richtete der Anton Bartscherer ein neues Haus und Christoph Bange kaufte das Haus des Elias Stoll Nr. 63.

Die Martini-Marktpreise sind:

Der Scheffel Weizen 2 rt    20 gr
Der Scheffel Roggen 2 rt      7 gr
Der Scheffel Gerste 1 rt    28 gr
Der Scheffel Raufutter 2 rt    15 gr
Der Scheffel Hafer 1 rt      6 gr
Der Scheffel Kartoffeln          18 gr

Gestorben sind 23, geboren 24, getraut 8 Paare.

Bleiwäsche, den 27. 3. 1870
Die Gemeindevertretung:
Der Vorsteher Scholand
Verordnete: B. Tacken, Sprenger, Hötger, Schumacher.