Chronik von 1960 bis 1969

1960

Aus dem Gemeindeleben

Auf das außergewöhnlich trockene Jahr 1959 folgte ein Jahr, das, was seine Anormalität betrifft, dem vergangenen in nichts nachsteht und überreichliche Niederschläge brachte. Anfang Mai setzte eine Regenperiode ein, die bis Mitte Juli andauerte. Danach war das Wetter für vierzehn Tage warm und trocken. In dieser Zeit konnten die Bauern etwa ein Viertel des Wintergetreides unter Dach und Fach bringen. Dann folgte wieder, ungefähr bis zum halben September, eine äußerst ungünstige Wetterperiode. Sie vernichtete den letzten und größten Teil des noch draußen gebliebenen Wintergetreides, zum Teil sogar auf dem Halm! Der Spätherbst bot dem Auge des Wanderers nicht selten flach gewalzte und vollkommen ausgewachsene Kornfelder. Manchem Bauern blieb nichts anderes übrig als das, was noch auf den Feldern stand, einfach anzuzünden. Auf die Hackfruchternte wirkten sich die zu hohen Niederschläge des Jahres nicht negativ aus, ihr Ertrag kann als normal bezeichnet werden. Bei der Feldbestellung für das kommende Jahr stellten sich dem Bauern keine nennenswerten Schwierigkeiten in den Weg. Summa summarum haben die Jahre 1959 und 1960 die alte Bauernregel einmal wieder bestätigt, die da sagt: Ein trockenes Jahr kann einem nassen etwas mitgeben! Im Dürrejahr 1959 ist zwar wenig gewachsen, die "mengenmäßig gesehen" geringe Ernte war aber von erstklassiger Qualität! Im Jahre 1960 dagegen haben die Felder weit, weit mehr hervorgebracht. Das Wenige, das man hiervon einzubringen vermochte, war im Allgemeinen nur fürs Vieh zu verwerten.

Die Würde des Schützenkönigs fiel in diesem Jahre auf den Bankangestellten Johannes Niggemann, ein Sohn des hiesigen Landwirts Karl Niggemann, zur Königin wählte er Frl. Stud-päd Ingrid Vogedes, die älteste Tochter im Forsthaus Messenberg.

Der Fremdenverkehrsverein kann auch für 1960 eine stetige Fortentwicklung buchen: Seit seiner Gründung vor vier Jahren sorgte er unter der eifrigen Leitung des Herrn Schulte für die Erstellung von 45 Ruhebänken. Dorfverschönerungen mancherlei Art (später aufgeführt) tragen neben dem allgemeinen Bemühen der Bevölkerung um Sauberhaltung und Verbesserung des Dorfbildes, nicht zuletzt dazu bei, dass Bleiwäsche an dem Wettbewerb des Kreises Büren usw. "Das schöne und saubere Dorf" als zweiter Sieger hervorgehen konnte; es erhielt als Preis einen Geldbetrag. Es wurde wiederum für die Verschönerung des Dorfes verwandt.

An Übernachtungen wurden etwa 10.000 registriert, damit dürften den hiesigen Pensionen und den Geschäften durch den Fremdenverkehr im Jahr 1960 ca. 100.000 DM zugeflossen sein.

Da der Borkenkäfer Eingang in die Gemeindewaldungen gefunden hatte, sah sich die Vertretung gezwungen, einen größeren Holzeinschlag an der Knüppe durchführen zu lassen. Mit dem Erlös ließ man die entstandenen Kahlschläge aufforsten und tilgte alte Schulden, die durch die kostspieligen Wasserbohrungen vor einigen Jahren entstanden waren.

Um das Wasserentgelt der Bürger neu und gerechter regeln zu können, wurden in allen Häusern Wasserzähler eingebaut. Die Folgeerscheinung war, dass der Verbrauch schlagartig um 50 % sank. Im Zusammenhang hiermit zeigte sich im Jahre 1960, dass die alte Schweinskopfquelle unter normalen Niederschlagsbedingungen den Wasserbedarf der Gemeinde Bleiwäsche, die Wasseruhren besitzt, vollauf decken kann!!!

Im Interesse des Fremdenverkehrs ließ die Gemeinde eine freie Fläche gegenüber der Kirche als Parkplatz herrichten, befestigen und mit einer Teerdecke versehen, ferner den Platz an der zweiten Fronleichennamsstation bei der Wirtschaft Schumacher würdig gestalten und das Kreuze in der Trift in Ordnung bringen. Die Kirchstraße bekam eine Asphaltdecke, darüber hinaus wurde mit Hilfe eines 50%-Zuschusses 1900 m Wirtschaftsweg ausgebaut (Bornebruch, Roteland, Kleiner Heckweg).

Alle gutgemeinten Bemühungen der Gemeindevertretung um Bauplätze blieben leider erfolglos. Neubauten konnten daher nicht in Angriff genommen werden.

Pferdebestand: 1960 = 31 Stück; 1950 = (31) Ziegenbestand: 1960 = 19 Stück; 1950 = (46) Die Rindvieh- und Schweinezucht hat zugenommen. Die Trecker und PKW Anzahl betrug 1960: Trecker 48, PKW 41 Stück.

Im Januar 1960 verließ Pfarrer Klöcker Bleiwäsche, um von nun an in der Diaspora, in Bad Wildungen zu wirken. Sein Nachfolger wurde der Pfarrvikar Eduard Juli aus Wehrstapel bei Meschede. Zum 1 April verließ die Lehrerin Frl. Cieslik die Gemeinde, um eine freie Schulstelle in Scharmede, Kreis Büren zu übernehmen. Die freigewordene Stelle in Bleiwäsche wurde am 1. September mit Frl. Hildegard Schröder, gebürtig aus Nehden, Kreis Brilon, bis dahin tätig in Selm, Kreis Lüdinghausen neu besetzt. Die Kinderzahl lag knapp unter achtzig.

1961

Aus dem Gemeindeleben

Der Frühling setzte 1961 bereits in der ersten Märzhälfte ein, unsere Bauern konnten deshalb schon recht früh mit dem Aussäen des Sommergetreides beginnen. Leider wurden sie hierbei von einer fünf bis sechswöchigen Regenzeit behindert, so dass diese Arbeiten erst Ende April zum Abschluss kamen. Der Sommer 1961 brachte derartig ungünstige Witterungsverhältnisse, dass der Ertrag der Felder (40% eines Normaljahres) hinter der vor allem qualitativ schlechten Ernte des Vorjahres noch zurückstand. Schuld daran war neben der eben erwähnten schlechten Witterung eine seit Menschengedenken nicht dagewesene Mäuseplage. Eine in die Schützenhalle einberufene Bürgerversammlung beschloss deshalb, nach Einbringung der Ernte innerhalb der Gemeindegemarkung Bleiwäsche eine intensive Mäusebekämpfung vorzunehmen. In 1350 Arbeitsstunden wurden dann vor der Aussaat des Wintergetreides im Herbst 15,5 Ztr. Giftweizen mittels Giftlegeflinten ausgelegt. Unter Leitung des Ortsdieners zogen jeden Morgen 2 Treckergespanne zu dieser Arbeit in die Fluren hinaus und zwar mit durchschlagendem Erfolg. Die Kosten der Mäusebekämpfungsmaßnahme wurden vom Land, vom Kreis und von den Eigentümern getragen: Der Kreis billigte eine Beihilfe von 500,- DM, der Preis für 1 kg Giftweizen betrug 1,80 DM, so dass sich die Belegung eines Morgens einschließlich Lohn auf rund 2,- DM belief.

Wegen des plötzlichen Todes seiner Mutter musste der amtierende Schützenkönig Niggemann für das Fest 1961 absagen. Das dadurch nötig gewordene zusätzliche Königsschießen fand am 1. Mai statt. König wurde Eduard Bange, Mitregentin seine Ehefrau. Auf dem Schützenfest (Pfingsten) errang Josef Heinrichs die Königswürde, zur Königin wählte er eine in der Pension Egert angestellte Köchin.

Der Fremdenverkehrsverein meldete für dieses Jahr 12.000 Übernachtungen, also eine Steigerung der Übernachtungsziffern um 40% (?) gegenüber 1960. Die Pensionen Egert und Fischer in der Siedlung erweiterten ihre Häuser beträchtlich und eröffneten zugleich 2 neue Gaststätten. Eine dritte neue Gaststätte, ebenfalls in der Siedlung gelegen, wurde im Spätherbst fertig, so dass unser Dörflein mit seinen 800 Einwohnern heute - man höre und staune – 6 Gaststätten in seinen Mauern hat.

Im Landeswettbewerb "Das schöne Dorf" errang Bleiwäsche einen beachtlichen 14. Platz.  Innerhalb der Gemeinde wurden rund 600 Meter Straße mit einem Teerteppich gebaut und 100 Meter Bordsteine gesetzt. Mit Hilfe eines 70%igen Zuschusses – die Höhe erklärt sich dadurch, dass Bleiwäsche zu den von der Natur benachteiligten Gebieten zählt, konnten 800 m Wirtschaftswege ausgebaut und ebenfalls mit einem Teerteppich versehen werden. Mit einem großzügigen Geschenk der Jagdgenossenschaft Bleiwäsche (3000,- DM) ließ die Gemeinde darüber hinaus noch das Wegestück Bornebruch – Dorfanfang fertig stellen. Nach wie vor bereitete den Gemeindevätern die Baulandbeschaffung größere Sorgen: Ein Eigenheim möchten zunächst 10 Bürger errichten. Das in Frage kommende Baugelände "Auf dem roten Lande" liegt im von der Regierung genehmigten Bebauungsplan und gehört zum Eigentum der katholischen Kirchengemeinde. Mit einem Tauschangebot seitens der Gemeinde (1:1,7 gegen Gliedervermögen) war der hiesige Kirchenvorstand einverstanden, nicht jedoch das Gerneralvikariat Paderborn. Es lehnte ab, mit der Begründung, dass laut Fuldaer Bischofskonferenz kein Baugelände der Kirche mehr getauscht oder verkauft werden dürfte. Das Gerneralvikariat bot jedoch das Gelände "Auf dem roten Lande" zwecks Bebauung in Erbpacht an. Immerhin scheinen damit die Baulandbemühungen der Gemeindevertretung von einem anerkennenswerten Erfolg gekrönt zu sein. Man ist weitergekommen. Vier Bleiwäscher Bürger haben sich inzwischen zum Bauen in Erbpacht entschlossen und dementsprechende Verhandlungen mit der katholischen Siedlergemeinschaft Paderborn aufgenommen!

Die im Turnus von 4 Jahren wiederkehrenden Kommunalwahlen fanden am 19. März 1961 statt. Zu Gemeindevertretern wurden gewählt: Heinrich Becker (CDU, 349 Stimmen), Johannes Hülshoff (CDU, 321 Stimmen), Franz Mester (CDU, 316 Stimmen) in direkter Wahl; und Karl Niggemann (CDU), Anton Hengsbach (CDU) sowie Arthur Stadler (SPD) über die Reserveliste. Bürgermeister wurde Heinrich Becker. Derselbe wurde auch in die Amtsvertretung hinein gewählt. Aus der vorherigen Gemeindevertretung verblieben demnach Anton Hengsbach und Arthur Stadler im Gemeindeparlament Bleiwäsche. Notgedrungen beschloss der Rat der Gemeinde, mit der Kanalisierung des Dorfes im kommenden Jahr zu beginnen. Im ersten Bauabschnitt soll die Brunnenstraße kanalisiert werden. Nach überörtlichen Überlegungen ist für die gesamte Kanalisation des Dorfes ein sogenanntes Trennsystem vorgesehen, d.h. 2 Rohrleitungen, die eine für Oberflächenwasser, die andere für Hausabwässer.

Anstelle des fortgezogenen Revierförsters Vogedes übernahm sein Nachfolger Revierförster Prüsener die Betreuung des Gemeindewaldes. Mit Rücksicht auf den erhöhten Einschlag im Vorjahre wurden in diesem Jahre nur 50 Festmeter geschlagen.Da der ältere Teil des gemeindlichen Friedhofs ein nahezu verwahrlostes Bild bot und die alten, hohen Denkmäler baufällig waren und somit eine Gefahr für die Friedhofsbesucher darstellten, ließ man den hinteren Teil des kommunalen Friedhofes einebnen. Nachdem die Wege mit Niedermarsberger Kupfersplitt überzogen worden sind, zeigt sich unser Totenacker heute in einem würdigeren Kleide.

Das Amt des Ortsheimatpflegers ging von dem aus Altersgründen zurückgetretenen Maurermeister Wilhelm Lange auf den Gemeindevertreter Anton Hengsbach über. Ein würdigeres inneres Gewand hat im Sommer 1961 auch die katholische Pfarrkirche bekommen. Infolge der Opferbereitschaft der Bürgerschaft und mit Hilfe eines Zuschusses vom Generalvikariat Paderborn war es möglich, die schon lange nötige Ausmalung des Gotteshauses vorzunehmen. Hoffentlich wird die lästige Feuchtigkeit, von der man bis heute nicht recht weiß, woher sie kommt, die gute und teure Malerarbeit nicht wieder zunichte machen!

Da der Volksschule Bleiwäsche in sehr naher Zukunft ein Klassenraum fehlt, weilten im Sommer 1961 Vertreter der Regierung, des Staatshochbauamtes, des Kreises und der Amtsverwaltung in Bleiwäsche, um an Ort und Stelle zu überlegen, wie man diesem neuen Sorgenkind der Gemeinde am besten begegnen könne. Seitens der Regierung lehnte man eine Erweiterung des vor wenigen Jahren renovierten Schulgebäudes aus verschiedenen Gründen ab und schlug einen Schulneubau vor. Auch für die unerlässliche Platzbeschaffung hatte man konkrete Vorschläge. Ob sie sich verwirklichen lassen, bleibt heute, zum Jahresende, noch dahingestellt.

Der Fremdenverkehrsverein meldete 12.000 Übernachtungen. Bei einer Volkszählung im Mai des Jahres wurden in Bleiwäsche auch 30 Pferde, 900 Schweine, 13 Ziegen und 700 Stück Rindvieh gezählt.

Es wurden 1961 10 Trauungen, 26 Geburten und 13 Sterbefälle registriert. Die Schulkinderzahl betrug (leider wurde die Anzahl nicht in die Chronik eingetragen).Der Haushaltsplan der politischen Gemeinde schloss mit 158.620,33 DM in Ein- und Ausgaben ab und ist somit ausgeglichen. Vom Pächter des Gemeindesteinbruches wurden 1961 10.020,33 DM an Bruchzins gezahlt.

1962

Aus dem Gemeindeleben

Der Winter zeigte sich durchweg von einer milden Seite, dauerte dafür aber recht lange an. Ein später Frühling, der dazu nass und kalt war, zögerte die Ansaat von Sommergetreide, Hackfrüchten und Kartoffeln lange hinaus. Der Sommer verlief für den Landmann ebenfalls ungünstig. Trotz feuchter Witterung blieben entscheidende Niederschläge aus. Der Grundwasserspiegel sank auf den Stand des Trockenjahres 1959 ab, jedoch die Schüttung des neuen Tiefbrunnens an der Madfelder Straße reichte für die Versorgung unseres Dorfes gerade aus. Infolge der ungünstigen Witterungsverhältnisse im Frühjahr und Sommer verschoben sich die Erntezeiten ebenfalls: Das erste Heu kam in der zweiten Junihälfte unter Dach, während die Haferernte mit der Kartoffelernte im Oktober zusammenfiel. Obgleich das Getreide schlecht reifte, kann man mit der Getreidemenge doch noch zufrieden sein. Der Herbst des Jahres 1962 war sehr schön, nahezu ohne lästigen Regen, jedoch für die Aussaat des Winterkorns ein wenig zu trocken. Das Jahr beschloss ein heftig einsetzender Winter mit viel Schnee und anhaltender Kälte mit bis zu -20 Grad.

Mit gemeindlicher Unterstützung konnte der Schützenverein seine Festhalle um einen Speiseraum erweitern lassen. Dieser Raum soll auch als Versammlungsraum genutzt Am 1. Mai wurde bei uns in Bleiwäsche das diesjährige Amtsfeuerwehrfest gefeiert. Unsere Gemeinde stattete ihre Wehrmannschaft aus diesem Anlass mit 26 neuen Anzügen aus.

Das Schützenfest fand wie in den letzten Jahren zu Pfingsten statt. König wurde Günter Lausen, Königin Maria Niggemann.

Gebaut wurde in Bleiwäsche 1962 wenig. Innerhalb der geschlossenen Ortschaft entstanden 2 Neubauten und ein neuer Selbstbedienungsladen (Nettsträter). Voraussichtlich wird die Bautätigkeit im kommenden Jahre reger werden, mehrere Bürger denken daran, doch in Erbpacht zu bauen (siehe Chronik 1961) und haben die Im Frühjahr verlegte die Bundespost ein Erdkabel zwischen Fürstenberg und Bleiwäsche, eine Verbindung für den 1963 geplatzten Selbstwählfernsprechdienst in unserem Raum.

Das Wasserwerk erhielt im Mai eine elektrische Anlage, die die Pumpeneinrichtung nach Bedarf selbständig einschaltet. Vorher musste das von Hand geschehen und bedeutete unnötige Wege des Gemeindedieners. Und nun muss ich über einen Plan unserer Landesregierung berichten, der, wäre er verwirklicht worden, schmerzlich für Bleiwäsche und die naheliegenden Ortschaften ausgewirkt hätte: Die Presse berichtete im März des Jahres, man wolle im Messenberg zwischen Bleiwäsche und Wünnenberg, einen Nato – Übungsschießplatz einrichten. Die Straße Wünnenberg – Bleiwäsche müsse deshalb vom Meilenstein bis zum Handweiser dem öffentlichen Verkehr wochentags entzogen werden. Fürwahr diese Nachricht traf uns alle wie ein Blitz aus heiterem Himmel! Abgesehen von den Nachteilen, die die Existenz eines Schießplatzes an sich für naheliegende Gemeinden mit sich bringt, würde ein Schießplatz im Messenberg schlimme Folgen für manch unseren Bauern nach sich gezogen haben, die ihre Äcker dann nur noch auf Umwegen von 5 km erreichen könnten, ferner für den Fremdenverkehr in Wünnenberg und Bleiwäsche mit seinen jungen aufstrebenden Pensionen und nicht zuletzt für unseren guten und schönen Wald! Aber " Gott sei dafür gedankt " ist es der Führung unseres Landkreises, unterstützt durch Protestkundgebungen in den betroffenen Orten, gelungen, das drohende Gespenst buchstäblich fünf Minuten vor Zwölf abzuwenden. Besondere Verdienste hat sich hierbei der amtierende Landrat Wilper erworben.

Das Jahr 1962 lieferte dem Bleiwäscher Chronisten noch Stoff über eine weitere besondere Begebenheit, die zwar nicht ernster Natur, aber dafür amüsanter ist und über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus bekannt wurde: " Der Bleiwäscher Am 14. Januar berief Bürgermeister Becker zwecks Satzungsänderung und Festsetzung eines höheren Wasserpreises eine Bürgerversammlung ein, da die finanzielle Rentabilität des Wasserwerkes nicht mehr gesichert erschien. Man erhöhte den Wasserpreis nicht, forderte jedoch die Bürgerschaft auf, Satzungsgemäß und im Interesse der Allgemeinheit alles Wasser der gemeindlichen Wasserleitung zu entnehmen. Falls "Fremdwasser zapfen" in Bleiwäsche nicht aufhöre, sei die Gemeindeverwaltung zur Erhöhung des Wasserpreises gezwungen. Scherzhafter Weise bemerkte ein Versammlungsteilnehmer, man solle doch seitens der Gemeinde Auffangen und Verbrauchen von Regenwasser verbieten! Aus diesem, wie gesagt, scherzhaft gemeinten Einwurf wurde ein entstellender Bericht in der Westfalen-Zeitung mit der Schlagzeile: "Wenn es keine Dachrinnen gäbe, hätten Gemeindeväter weniger Sorgen!" Die kuriose Meldung griff "dpa" auf und lief anschließend und sehr schnell durch wohl alle Zeitungen der Bundesrepublik. Selbst WDR und das Fernsehen glossierten die Entdeckung, dass im etwas abseits gelegenen Dörflein Bleiwäsche die Bewohner aus Geiz Regenwasser trinken und der Herr Bürgermeister das nun verboten habe. Und das glaubte man auch überall im weiten Deutschland, bis das Fernsehen nach Bleiwäsche kam, man eine öffentliche Gemeinderatssitzung, in der die Dinge ins rechte Licht gerückt wurden, aufnahm und in der nächsten Woche sendete. Summa summarum: Aus dem Zufall wurde eine großangelegte Werbung für den Fremdenverkehr auf den die Sendung hinwies. Die Gemeindeverwaltung bekam eine Flut von Anfragen und Zuschriften urlaubshungriger Bundesrepublikaner, die ihre Ferien gern "im Lande der Regenwassertrinker" verbringen wollten.

Dem ausgedehnten Bericht über "Bleiwäscher Kuriositäten 62" kann ich noch ein Ereignis hinzufügen: Ein Jagdgast legte in der Nacht auf ein Wildschwein an, drückte ab, und was zu Boden ging war ein Bleiwäscher Pferd. Hierzu sagte der Sprecher des WDR in der Sendung zwischen Rhein und Weser: Das schrecklichste der Schrecken, ist bekanntlich weder der frisch geweckte Leu noch des Tigers steiler Zahn, es ist lt. Schiller der Mensch in seinem Wahn. Und in diesem Wahne dürfte sich ein Jagdgast in der Nähe von Alme im Hochsauerland befunden haben. Er wollte den Wildschweinen dort mit der Flinte zu Leibe gehen, hörte es rascheln im Gebüsch, riss vom Jagdfieber gepackt die Büchse hoch – auch mich überwältigt’s schon – und drückte ab. Das Wildschwein brach zusammen und war ein Pferd! Hoffentlich wird dieser Jäger die Büchse an den Baum hängen. Bestimmt wäre er froh, wenn diese Episode aus seinem Jägerleben nur ein Traum gewesen wäre...! (Das Pferd gehörte dem Bauern Müller, dessen Anwesen im August des Jahres bis auf die Grundmauern niederbrannte).

Im Spätherbst begann die Gemeinde mit dem ersten Bauabschnitt der Kanalisierung des Dorfes (Brunnenstraße bis zum Grundstück "Unter der Hütte"), wo später ein Klärwerk errichtet werden soll. In der Brunnenstraße wurde zugleich eine neue Wasserleitung aus Kunststoff verlegt.

An Bruchzins (Steinbruch Eley) kamen rein 8.862,65 DM. Der Haushaltsplan der Gemeinde schließt in Ein- und Ausgaben mit 203.350,- DM ab Im Gemeindewald wurden 6.220.000 Fichten und 3.000 Laubholzpflanzen gesetzt. Bei der Landtagswahl am 8. Juli verteilten sich die Stimmen in Bleiwäsche wie folgt: 286 CDU, 104 SPD, 0 FDP, 22 Zentrum, 2 DFU. Die Einwohnerzahl betrug rund 800. Es waren an Trauungen 11, Geburten 19 und 8 zu verzeichnen. Die Schule besuchten zu Ostern 84 Kinder.


1963

Aus dem Gemeindeleben

Die bereits vor Weihnachten einsetzenden Tieftemperaturen von bis zu minus 20 Grad bleiben bis Anfang März 1963 wetterbestimmend. Der Winter brachte außerordentlich viel und lange liegenbleibenden Schnee; der erste dieses Winters dürfte in Bleiwäsche zusammen mit dem letzten fort getaut sein! Von ganz besonderer Strenge war der erste Monat des Jahres 63. Die tiefsten Temperaturen wurden hier am 13. und 18. Januar mit minus 22 Grad gemessen, während das Thermometer am letzten Tag im Januar noch minus 20 Grad anzeigte. Der Januar 1963 war für die Bewohner Bleiwäsches, der seit Menschengedenken kälteste Monat überhaupt. Als eine äußere Auswirkung dieses außergewöhnlich strengen Winters wuchsen die Düngerstätten vor unseren Bauerngehöften zu kleinen Bergen an, sie konnten wegen der anhaltenden Kälte über vier bis fünf Monate nicht abgefahren werden. Am fünften März brach die Kältewelle, die von Dezember bis dahin gedauert hatte, dann sehr plötzlich ab. Der März brachte durchschnittliche Temperaturen bis plus 10 Grad. Und die Eisheiligen verzichteten sogar – vielleicht als Wiedergutmachung für den Winter -  auf die üblichen Kälteeinbrüche. Der Sommer 1963 zeigte eigentlich, was das Wetter betrifft, keine Besonderheiten. Der Juli brachte durchschnittliche Temperaturen von plus 17,2 Grad und der August als wärmster Monat des Jahres plus 17,6 Grad. Die höchsten Temperaturen wurden am 2.  August mit plus 31 Grad und am 3. mit sogar 33,5 Grad gemessen. Im Dezember sank die Temperatur um 8,3 Grad gegenüber dem Vormonat auf einen Mittelwert von minus 1,3 Grad.
Da das Wintergetreide den strengen Winter 62/63 nicht überstanden hatte, mussten unsere Bauern ihre Frühjahrsbestellung erheblich umdisponieren. Das dürfte nicht einmal zu ihrem Nachteil gewesen sein: der Ertrag der mit Sommerkorn bestellten Äcker lag besonders hoch. Die Kartoffel- und Rübenernte waren ebenfalls gut, die Heuernte ließ jedoch zu wünschen übrig.

Der Heimatschutzverein feierte sein Fest, diesmal zugleich als hundertjähriges Jubelfest, wieder zu Pfingsten. An dem Festzug beteiligten sich zahlreiche Vereine aus unserer Nachbarschaft. König wurde Willi Eley, Königin Antonie Hecker.

Die im vorigen Jahre kanalisierte Brunnenstraße ließ die Gemeindeverwaltung 1963  ausbauen und mit Bordsteinen versehen, desgleichen den Straßenabschnitt vom Hause des Schreinermeisters Adolf Kerstin bis zum Hause Lausen 55. Der Weg zum Sportplatz erhielt vom Feuerwehrgerätehaus bis zum Transformatorenhäuschen einen Teerüberzug. Die Straße zum Hohen Stein konnte als Wirtschaftsweg ausgebaut und im Zuge dieser Maßnahme zugleich auf fünf Meter verbreitert werden. Der Teich am Brunnen wurde als Hochwasserrückhaltebecken hergerichtet und im Interesse der Dorfverschönerung mit einer landschaftsgerechten Umzäunung, einem Spriegelzaun versehen. Den Holzturm des Feuerwehrgerätehauses der seit der Erstellung einer modernen Kreisschlauchpflegerei in Büren überflüssig geworden ist und reparaturbedürftig war, ließen die Gemeindeväter aus Ersparnisgründen abbrechen. Abgerissen wurde auch das alte Lehrerwohnhaus gegenüber dem Pastoratsgebäude. Es war im höchsten Grade vom Einsturz bedroht. Die Bewohner, eine Familie Karl Sommer, konnten anderweitig im Dorfe untergebracht werden.

Bereits zu Beginn des Jahres 1963 wurde für Bleiwäsche eine für alle verpflichtende Müllabfuhr eingeführt. Die hierfür erforderliche Satzung mit Verfügung der Kreisverwaltung war schon am 10.12.1962 genehmigt worden. An der Hauptstraße bauten Hubert Wittler und Franz Völlmecke je ein neues Wohnhaus und der im Vorjahre abgebrannte Bauer Bernhard Müller siedelte als erster Bleiwäscher aus. Sein neues Gehöft steht in der Nähe des Sportplatzes. Der Kaufmann Sendzik ließ an der Stelle seines alten Wohnhauses ein neues modernes Geschäftshaus errichten. Er folgte dem Beispiel der Konkurrenz und richtete ebenfalls einen Selbstbedienungsladen ein.

Die Straßenbaufirma Eley ließ ihre Teermischanlage durch den Einbau einer seit langem notwendig gewordenen Nassentstaubungseinrichtung verbessern. Das für den Betrieb dieser Einrichtung erforderliche Wasser bezieht sie durch eine gemeinsame Leitung mit dem Aussiedlerhof Müller vom gemeindlichen Wasserwerk.

Im Herbst trat der bisherige Amtsdirektor in den Ruhestand. Die Bleiwäscher Gemeindevertreter schenkten seinem Nachfolger Amtsdirektor Bonefeld ihr Vertrauen und wählten ihn, wie früher seinen Vorgänger, zu ihrem Gemeindedirektor.
Als Schiedsmann wurde H. Sprenger wiedergewählt, zu seinem Stellvertreter bestellte die Vertretung den Gemeinderat Franz Mester. Mit Wirkung vom 1. Oktober wurde der bisherige Erste Lehrer der Volksschule Bleiwäsche, Karl Thiele zum Hauptlehrer ernannt.
Als einen besonderen Fortschritt empfinden alle Bleiwäscher Fernsprechteilnehmer, dass sie mit dem Wahlamt Fürstenberg nun endlich am Selbstwahlfernsprechdienst angeschlossen sind.
Der Gemeindewald ließ in diesem Jahr nur einen Einschlag von 80 fm zu. Dagegen setzten die Gemeindearbeiter an der Knippe 22.500 neue Fichtenpflanzen.

An Bruchzins aus dem gemeindeeigenen Steinbruch gewann die Gemeinde von der Firma Eley 27.333,79 DM, also wesentlich mehr als in früheren Jahren. Die Steigerung erklärt sich durch ein Anwachsen der Kapazität des Eley’schen Werkes in Bleiwäsche infolge Modernisierung und einer allgemeinen Vergrößerung.

Der Haushaltsplan der Gemeinde schließt in Ein- und Ausgaben mit 265.510,- DM ab und ist ausgeglichen.

Statistisches

Der Fremdenverkehr meldete für 1963 17.000 Übernachtungen!!


Die Schulkinderzahl betrug zu Ostern 1963, 94 Schüler davon 51 Mädchen und 43 Jungen.

1963 wurden Stand 31.12.1963, 802 Einwohner registriert. Es gab 9 Trauungen, 17 Geburten und 9 Sterbefälle.

Bei der Viehzählung am 03.12.1963 wurden, 26 Pferde, 879 Schweine, 10 Ziegen, 1322 Hühner und 688 Stück Rindvieh gezählt.

 

1964

Aus dem Gemeindeleben

Zum Wetter und zur Ernte
Der Winter 1963/1964 war nicht sehr streng, er brachte wenig Schnee und kaum Niederschläge. Ein Nachteil, der sich für unsere Trinkwasserversorgung während des ganzen Jahres bemerkbar machte. Trotz seines milden Charakters dauerte der Winter bis in die späten Märztage hin an, sodass die Frühjahrsbestellung erst Mitte April getätigt werden konnte. Bestes Wetter im Frühjahr und Sommer zeitigen eine gute Heu-  und Getreideernte; für die Hackfrüchte war das Wetter wohl zu trocken, ihre Erträge waren nur mäßig.

Zum Schützenfest
Da Bleiwäsche nur eine, im Wesentlichen, offene Halle besitzt und – wie sich in den letzten Jahren erwies – es für das Fest bereits um Pfingsten meistens noch zu kalt ist, feierte man in diesem Jahre am letzten Sonntag im Juli. König wurde Manfred Kampkötter, Königin Gisela Kersting. Das Fest hatte seinen Höhepunkt in der Einweihung eines neu errichteten Christophorus-Denkmals an der Gabelung unterhalb der Gastwirtschaft Balkenhol. Da sich hier eine besondere Gefahrenstelle an der LO I im Ort befindet, wählte man St. Christophorus für das Denkmal aus, da er als Schutzpatron der Verkehrsteilnehmer gilt. Entwurf und Ausführung der ansprechenden Steinmetzarbeit lagen in den Händen des jungen Bildhauers Müller in Büren.

Zum Wegebau
Im Wegebau wurde in Bleiwäsche 1964 besonders viel getan: Es wurden gebaut bzw. ausgebaut:
1.    Ca. 4 km Wanderwege in der Wald- und Wirtschaftsflur mit Marsberger Hüttensplitt.
2.    An Wirtschaftswegen: Der große Heckweg, der Kosseckenweg, der sogenannte Prozessionsweg, (er wurde als Zufahrtsweg für und auf Kosten der Firma Eley zugleich auf 5,50 m Breite erweitert) und der Alte Mühlenweg bis zum Sportplatz (hier bezahlte der Forstfiskus den Unterbau und die Gemeinde den Teerüberzug),
3.    Die Straße zum Hause Tacken 8 (sie wurde als letzte wassergebundene Decke im Ort geteert),
4.    Die Straße von der LOI, vom Feuerwehrgerätehaus bis zum Bruch, ferner der Weg, Unter der Hütte (diese unter 4 genannten Straßen erhielten Teerüberzüge),
5.    Sämtliche in der Gemeinde vorhandenen Gehwege wurden neu asphaltiert, neue Gehwege wurden geschaffen: Vom Hause Hoffmann in der Siedlung bis zum nahen Wald, im Wohnbereich Unter der Hütte um das Gartengrundstück der Wirtschaft Balkenhol herum, vom Hause Koch bis zum Hause Scholand und die Straße vom Hause Hülshoff bis zum Bruch (auf beiden Seiten).

Erfreulich für den Etat der Gemeinde ist, dass der im Vorjahre ausgebaute Wirtschaftsweg Hoher Stein  inzwischen als Gemeindeverbindungsstraße BÜR 71 (vom Hause Schumacher bis zur Gemarkungsgrenze) anerkannt worden ist. Im Interesse des Fremdenverkehrs und der Dorfverschönerung ließ die Gemeinde den sogenannten Brunnen, gegenüber dem alten Dorfteiche, zu einer ansprechenden Beckenanlage ausgestalten. Der ganze Brink, wie diese Stelle im Volksmund heißt, wurde zugleich mit Buschwerk bepflanzt.

Aus Landesmitteln konnten 55 Briloner Bänke angeschafft und aufgestellt werden. Die leuchtenden Farbflecke in der Landschaft sind inzwischen beliebte Anziehungspunkte der Sommergäste geworden. In der Nähe des Hohen Stein legte Herr Lange auf einem von der Gemeinde gepachteten Grundstück einen kleinen Fischteich an und setzte Forellen darin aus.

Zur Bautätigkeit
Wohnhäuser bauten 1964: Kurt Weihrich (auf Gemeindegrund), ferner Herbert Kurzer und Bernhard Scholand (in Erbpacht) am Glashütter Weg. Die Gemeinde ließ, aus im Vorjahre zurückgelegten Bruchzinsmitteln, auf dem Friedhof eine Leichenhalle im Rohbau errichten. Mit ihrer Fertigstellung kann erst 1965 gerechnet werden.
Da die Gemeinde schon seit Jahren keine Bauplätze mehr vergeben kann, entschloss sich die Vertretung, das ca. 30 ha große Gemeindegliedervermögen aufzulösen und in freies Gemeindevermögen zwecks Baulandbeschaffung umzuwandeln. Deswegen berief sie am 13.12.1964 eine Bürgerversammlung ein, um ihr Vorhaben kundzutun und führte gleichzeitig eine Abstimmung der Berechtigten durch, mit folgendem Ergebnis: 85 stimmten für die Auflösung, 12 dagegen, 15 entschieden sich nicht. Auf  das Ergebnis hin entschloss sich der Rat unserer Gemeinde, die Umwandlung des Gliedervermögens beim Amt für Flurbereinigung und Siedlung in Warburg zu beantragen!

Zur Wasserversorgung
Wie eingangs erwähnt, bereiteten geringe Niederschläge im letzten Winter, dazu anhaltende Trockenzeiten im Sommer 64 ernstere Schwierigkeiten in der Trinkwasserversorgung der Gemeinde Bleiwäsche: Einem Verbrauch von 90 m³ stand im Sommer eine Förderung von nur 60 m³ gegenüber. Die Wasserreserve im Hochbehälter wäre bald verbraucht worden, wenn man nicht das alte Pumpwerk "Am Brunnen" wieder in Betrieb genommen und dieses minderwertige Wasser fürs Vieh verwendet hätte. Unsere Bauern holten dieses Wasser morgens und abends aus einem Hydranten beim Gehöft Hötger. Neue Untersuchungen der Gesundheitsbehörde zeigten, dass Wasser aus der früher verworfenen Brunnenquelle in Notzeiten – allerdings stark gechlort – auch wieder als Trinkwasser benutzt werden kann. Im verflossenen Jahre war das nicht mehr nötig, noch eben rechtzeitig gab es Niederschläge. Für alle Fälle steht uns weiterhin die Brunnenquelle im äußersten Notfall wieder zur Verfügung!!

Schulisches
Die Schulkinderzahl betrug 95. Da die dritte Lehrerstelle deswegen zu Ostern wieder besetzt wurde, ließ die Gemeinde aus dem vorhandenen Gruppenraum und dem Flur zu den Mädchentoiletten einen kleinen provisorischen 3. Klassenraum und im Dachgeschoß eine weitere (kleine) Wohnung mit Bad und Toilette herrichten.
Die Volksschule erhielt: Telefonanschluss (404), eine Druckpumpe zur besseren Wasserversorgung, Einrichtungsgegenstände für die 3. Klasse, zwei moderne neue Tafeln und für jedes Klassenzimmer ein neues Kreuz.
Die am 02.04.1964 durchgeführte Schulbereinigung von Regierungs- und Kreisvertretern zeigte, dass wir eine neue Schule erhalten sollen! Für gut befunden wurde nun dieser Kommission das bisher nicht bebaute Gelände im Kern des Ortes, südlich der Kirche (Lehrergarten, Pfarrgarten, Garten des Landwirts Becker). Die Gemeinde erwarb den Beckerschen Garten durch Kauf und den Pfarrgarten durch Tausch. Die Grundstücksfrage ist damit geklärt. Wenn keine Schwierigkeiten auftauchen, werden wir im nächsten Jahre eine neue Schule mit Gymnastikhalle hier entstehen sehen.

Gemeindewahlen
Kommunalwahlen fanden in Bleiwäsche (in Orten unter 1000 Einwohnern) am 27.09.1964 statt: Es kandierten hier: CDU, Zentrum und die SPD mit dem Ergebnis:
Die Vertretung zählt 7 Vertreter (bisher 6):
Landwirt Becker, Landwirt Niggemann, Schachtmeister Hengsbach, alle CDU und in direkter Wahl gewählt worden.
Waldarbeiter Hülshoff, Hausschlächter Egert, Holzkaufmann Mester, alle CDU und Maschinenführer Niehoff SPD. Diese Vertreter sind über die Reserveliste in die Vertretung gekommen. Das Zentrum erlangte keinen Sitz in der Gemeindevertretung.

Verschiedenes
Die Schützenhalle wurde von der Gemeinde übernommen, da der Verein die Unterhaltungskosten nicht mehr tragen kann. Die Reparaturarbeiten sind so umfangreich, dass die Gemeindevertretung erwägt, evtl. eine neue Dorfhalle zu bauen!
In allen gemeindlichen Gebäuden wurden die elektrischen Anlagen überprüft und instandgesetzt.
Die Gemeindeverwaltung erhielt eine neue Schreibmaschine.

Statistisches
Es wurden gezählt: 802 Einwohner, rund 21000 Fremdenverkehrsübernachtungen, 95 Schulkinder, 6 Trauungen, 13 Geburten, 11 Sterbefälle; bei der Viehzählung: 725 Stück Rindvieh, 1054 Schweine, 1448 Hühner, 25 Pferde, 7 Ziegen, 8 Gänse und 3 Enten. An Bruchzins wurden an die Gemeinde gezahlt: 34.901,66 DM.
Der Haushalt schloss ab mit 439.230,- DM im ordentlichen Plan und 74.000,- DM im außerordentlichen Plan.

1965

Aus dem Gemeindeleben

Zum Wetter und zur Ernte
Der Winter 1964/65 hielt bei milden Temperaturen sehr lange an. Er brachte wenig Schnee, dafür aber reichlich viel Regen. Mit der Frühjahrsbestellung konnten unsere Bauern jedoch zur üblichen Zeit im März beginnen. Als sie die Hafersaat eben in der Erde hatten, setzte leider eine neue – diesmal vier Wochen – andauernde Regenperiode ein, so dass Gärten und Felder erst in der zweiten Aprilhälfte mit Kartoffeln und Hackfrüchten bestellt werden konnten. Mai, Juni regnete es wieder. Ende Juni / Anfang Juli gab es kurzfristig gutes Wetter und für alle, die schnell ans Werk gingen, bestes Heu auf den Balken. Aber alles Heu, das jetzt nicht schnell genug unter Dach und Fach gebracht worden war, verdarb im nachfolgenden, völlig verregneten Sommer; es konnte nur noch verbrannt werden. Die späte Getreideernte brachte trotzdem noch annähernd mittelmäßige Ergebnisse, desgleichen die Kartoffelernte, während unsere Hackfruchtfelder fast nichts einbrachten. Zu den anhaltenden Niederschlägen im Juli kamen am 16.07.1965 wolkenbruchartige Regengüsse, die in unserer weiten Heimat die Alme, die Afte, die Altenau und die Diemel in wenigen Minuten über die Ufer treten und zu reißenden Flüssen werden ließen. In den betroffenen Gebieten entstanden unübersehbare Schäden an Häusern, Fabriken, Straßen und Brücken und in den Fluren. Am schlimmsten wütete die "Große Flut" im Dorfe Etteln im Altenautal: Die Wasser kamen hier so schnell, dass viele Menschen nur das nackte Leben – in der Flucht auf das Hausdach – retten konnten. Hilfstruppen der Feuerwehren, der Besatzungsmächte, der Bundeswehr, des Roten Kreuzes usw. trafen so schnell wie möglich im Katastrophengebiet Etteln ein, um die in ärgste Not geratenen Menschen noch in dunkler Nacht mit Sturmbooten und Hubschraubern von den Hausdächern herunterzuholen. Leider fanden trotzdem 6 Ettelner Bürger – vier aus einer Familie – den Tod in den Fluten. Die Hilfstrupps blieben teilweise noch Wochen in dem grässlich zugerichteten Dorfe, um seinen Bewohnern wieder auf die Beine zu helfen. Material- und Geldspenden kamen aus allen Teilen der Bundesrepublik! Unser Höhendörflein blieb dank seiner geographischen Lage von den bösen Folgen der Unwetterkatastrophe 1965 bewahrt!!

Zum Schützenfest
Das Schützenfest feierte man in Bleiwäsche wieder am letzten Sonntag im Juli. König wurde dieses Mal der aus Bleiwäsche gebürtige, junge Förster Johannes Scholand (85 Schuss), Königin, Nachbarstochter Anneliese Niggemann. Der Speiseraum unserer Gemeindehalle war rechtzeitig vor dem Fest mit einem Ölofen und neuen Resopaltischen und dazugehörigen Stühlen, die Festhalle selbst mit einem neuen Königstisch, ausgestattet worden. Leider lassen die Baubehörden eine von der Gemeinde gewünschte und bereits geplante Erweiterung der Halle wegen der Nähe der LOI nicht mehr zu; erlaubt sind für unsere jetzige Halle nur noch notwendige Reparaturen.

Zum Wegebau
Zum Wegebau gibt es vom Chronisten für 1965 weniger zu berichten, da fast alle gemeindlichen Straßen und Wege dank der ortsansässigen Straßenbaufirma Eley in den Vorjahren gemacht worden sind. Geteert wurden 1965 die Straßen um den Friedhof herum, der kurze Verbindungsweg vom Hause Battram bis zum Hause Bange (hier wurden zugleich Gehwege angelegt). An der gefahrvollen Kreuzung bei Egert (im Dorf) wurden die Sicht versperrenden hohen Holzbankette entfernt und durch Kunststoffdrahtzaun ersetzt. Auch hier entstanden 1965 neue Gehwege.
An Wirtschaftswegen wurden ausgebaut: der Weg übers Felleken, der Hessenbuschweg bis zum Prozessionsweg und ein Knüppenweg. Der vor Jahren ausgebaute Bruchweg erhielt einen neuen Teerteppichüberzug.

Zum Hochbau
Da die Gemeinde immer noch keine Bauplätze zur Verfügung stellen kann, blieb die  Bautätigkeit gering. Es bauten 1965 auf eigenen Grund: Joh. Tacken junior ein Wohnhaus unterhalb des Hauses Hecker, Am Brunnen. Als zweiter Bleiwäscher siedelte Wilhelm Finger aus und zwar in das Große Heck. Fingers Althofstelle erwarb die Gemeinde. Sie soll in Kürze abgebrochen werden. An ihrer Stelle werden ein Feuerwehrgerätehaus und ein Kinderspielplatz entstehen. Die angehenden Straßen sollen – ebenfalls auf Kosten dieses Grundstückes – erweitert werden. Vom Landwirt Finger erwarb die Gemeinde ferner ein an ihren Steinbruch angrenzendes Grundstück, das sie der Firma Eley zur Ausbreitung überließ.
Um neue Bauplätze zu schaffen, stellte die Gemeinde beim Amt für Flurbereinigung und Siedlung in Warburg den Antrag auf Umwandlung des Gemeindegliederungsvermögens in freies Gemeindevermögen. Am 12.11.1965 fand eine diesbezügliche Aufklärungsversammlung für alle an dem Auseinandersetzungsverfahren beteiligten Bürger im Gasthof Balkenhol statt. Als Ablösung soll jeder berechtigte Bürger, wahlweise mit einem 600 m² großen Bauplatz oder mit 1000,- DM entschädigt werden.

Zur Schule
Die Schulkinderzahl hielt sich konstant und betrug 84. Zur weiterführenden Schule gingen 12 Kinder über. Aus dem geplanten Volksschulneubau wurde auch 1965 nichts. Die Bezirksregierung in Detmold, sowie das Staatshochbauamt in Paderborn machten alle Bemühungen der Gemeinde Bleiwäsche immer wieder zunichte. Als Gründe werden genannt: Allgemein gewünschte Sparmaßnahmen und die Errichtung einer sogenannten Hauptschule in Fürstenberg, d. h. für Bleiwäsche: Alle Schulkinder sollen vom 5. Schuljahr aufwärts, so möchte es die Bezirksregierung, diese Zentralschule in Fürstenberg besuchen. Und das bestehende Schulhaus in Bleiwäsche ist dann allerdings für die Kinder des 1. - 4. Jahrgangs groß genug.

Zur Bundestagswahl
Die Wahlen zum 5. deutschen Bundestag fanden am 19.09.1965 statt. In Bleiwäsche gaben 533 Wahlberechtigte ihre Stimme wie folgt ab:

                          CDU    SPD    FDP    CVP    DFU    NPD
Erststimme           346      81      14      1       1        1
Zweitstimme        340      84      18      2       1        0

Verschiedenes
Die Gemeinde erstellte eine neue Müllkippe am Helandsweg. Wenn sie gefüllt ist, werden sich die betreffenden Gemeindegrundstücke dem übrigen Gelände auch besser anpassen.
Die VEW verbesserte 1965 endlich die elektrische Spannung im Ortsnetz durch Errichtung einer (vorerst provisorischen) zusätzlichen Trafostation auf der Althofstelle des ausgesiedelten W. Finger. Nunmehr konnte die Gemeinde die längst notwendig gewordene Erweiterung der Straßenbeleuchtungseinrichtungen durchführen lassen. Man wandte hierfür 10.000,- DM auf. Auch die bisher dunkelste Straße zur Siedlung erhielt zwei moderne Straßenleuchten.

Die Spar- und Darlehenskasse feierte am 26.09.1965 ihr 75 jähriges Bestehen in der Gemeindehalle.

Beim Wettbewerb um das "Schöne und saubere Dorf" erreichte Bleiwäsche den fünften Platz und erhielt dafür vom Kreis 150,- DM. Mit 39 anderen Gemeinden beteiligte sich Bleiwäsche auch an einem Blumenschmuckwettbewerb.

Da die rechnerischen Tätigkeiten des Bürgermeisters immer mehr zunehmen, schaffte die Gemeinde hierfür eine Rechenmaschine im Werte von 500,- DM an.

Statistisches
Ordentlicher Haushaltsplan in Einnahmen und Ausgaben: 408.000,- DM,
ein außerordentlicher Haushaltsplan besteht nicht.

Die Grundsteuer B wurde mit Wirkung zum / ab 01.01.1966 von 220 v. H. auf 180 v. H. gesenkt!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Die Einwohnerzahl blieb um 800!!!

Im Gemeindewald wurden 130 fm. Holz geschlagen und für 7300,- DM verkauft.

Bei der Viehzählung (03.12.) wurden erfasst: 759 Stck. Rindvieh, 1051 Schweine, 1284 Hühner, 15 Pferde, 7 Ziegen, 3 Gänse, 7 Enten und 9 Truthennen.

Der Fremdenverkehrsverein registrierte 20000 Übernachtungen.

Der Pfarrer zählte: 0 Trauungen, 19 Geburten und 9 Sterbefälle.

 

1966

Aus dem Gemeindeleben

Zum Wetter und zur Ernte
Der Winter 1965/66 war mild und brachte wenig Schnee. Ein seit Jahrzehnten nie dagewesener frühlingshafter Februar zeigte soviel Wärme, dass die erste Haferaussaat gleich Anfang März erfolgte. Am 9. März kehrte der Winter zurück und der Schnee blieb bis zum Ende des Monats liegen. Im April hatten wir durchweg Regenwetter. Das letzte Hafergetreide konnte deshalb, wie die Kartoffel- und Rübensaat, erst Ende des Monats in die Erde gegeben werden. Das erste Heu brachte man Anfang Juni, also recht früh, unter Dach und Fach. Der Juli war leider von kalter und regnerischer Natur, so dass viel Heu verderben musste. Während die Einholung der Sommerfrucht bei ungünstigen Wetterbedingungen getätigt werden musste, herrschte beim Einbringen der Winterfrucht ideales Erntewetter. Für den kalten und verregneten Sommer wurden wir mit einem wunderschönen warmen Herbst entschädigt. Dieses fabelhafte Herbstwetter dauerte bis Allerheiligen an. Es wurde dann schlagartig von kaltem Wetter abgelöst, was ein verhältnismäßig frühes Aufstellen des Weideviehs zur Folge hatte. Im Ganzen gesehen, mussten unsere Bauersleute mit der Ernte 1966 zufrieden sein: Die Kartoffelernte war gut, die Rübenernte überdurchschnittlich und die Getreideernte mittelmäßig bis gut.

Zum Schützenfest
Unser traditionelles Volksfest feierten wir bei gutem Wetter am letzten Sonntag im Juli: König wurde Friedhelm Sprenger Nr. 74, Königin Renate Feldmann Nr. 89. Mit dem Tag der Schützenrechnung verband der Heimatschutzverein ein Kinderschützenfest, ebenfalls wie bei den "Großen" mit Vogelschießen, König und Königin (Heinz Becker jun., Margret Bürger).

Am 22.05.1966 fand das diesjährige Amtsfeuerwehrfest bei uns in Bleiwäsche statt.

Zum Wegebau
Der Straßenabschnitt Schule – Brunnenstraße erhielt 1966 einen Teerüberzug. Weitere Straßenbauarbeiten waren wegen des guten Zustandes in und um Bleiwäsche nicht erforderlich.

Dafür wurden vier weitere Wirtschaftswege ausgebaut: Der Bruchseitenweg zum Gemeindewald hin, der Helandsweg, der Kampsweg und der Hessenbuschweg vor der Gemeindehalle. Endlich, nach jahrelangen Bemühungen unserer Gemeindeväter ließen die Nachbargemeinden Madfeld und Alme zwei Wege ausbauen, die für die Bleiwäscher Ackerwirtschaft von großer Wichtigkeit sind, nämlich den Almer Feldweg und den Wirtschaftsweg "Auf dem Loh", wo der größte aller Acker Bleiwäscher Bauern zu eigen ist.

Zum Hochbau
Da immer noch kein Bauland vergeben werden konnte, wurden 1966 in Bleiwäsche keine Häuser gebaut. Lediglich auf der Althofstelle Finger entstand nach Abbruch des alten Gebäudes ein neues Feuerwehrgerätehaus mit einer 100 m³ großen Zisterne und einer Fünfzimmerwohnung.
Die Arbeiten führten hier aus:    Fa. Eley, Bleiwäsche, Erdarbeiten
                Fa. Rummel, Fürstenberg, Maurerarbeiten
                Fa. Sprenger, Bleiwäsche, Zimmerarbeiten
                Fa. Klarholz, Brilon, Dachdeckerarbeiten
                Fa. Schäfers, Fürstenberg, Elektrikarbeiten
                Fa. Lüke, Brilon, Heizungsarbeiten
                Fa. Balkenhol, Bleiwäsche, Dachrinnen und
                Installationsarbeiten
                Fa. Rüther, Fürstenberg, Lieferung der zwei
                Einfahrtstore.

Besondere Sorgen bereitet uns nach wie vor die Baulandbeschaffung. Gegen die früher angestrebte Umwandlung des Gemeindegliederungsvermögens wandten sich elf Bürger aus unserer Gemeinde und erhoben Klage beim Verwaltungsgericht in Minden.  Mit welchem Ergebnis, das bleibt noch abzuwarten.

Zur Schule
Die 3. Lehrerstelle ist seit Ostern, seit Beginn des 1. Kurzschuljahres wieder verwaist. Die Schulkinderzahl betrug zu Beginn des 2. Kurzschuljahres, am 1. Dezember 1966, 93 Schüler.

Nach Ansicht der zuständigen Stellen ist die Volksschule in ihrer überkommenen Gestalt heute vielfach nicht mehr in der Lage, ihren Erziehungs- und Bildungsauftrag voll zu erfüllen. Die Tatsache zwinge – so hört man immer wieder – zu einer Neuordnung. Da die innere Schulreform eine Verbesserung der äußeren Verhältnisse erfordere, haben Schulträger und Schulaufsichtsbehörden seit längerer Zeit begonnen, wenig gegliederte Schulen zu Mittelpunktschulen zusammen zufassen. Für die Errichtung solcher Schulen hat das Kultusministerium bestimmte Richtlinien herausgegeben.

Die organisatorischen Veränderungen sollen nicht schematisch durchgeführt werden. Die Regierungen wünschen jedoch immer großräumige Lösungen. Die Volksschule gliedert sich in Zukunft in die aus den Jahrgängen 1 - 4 bestehenden Grundschule und die aus den Jahrgängen 5 – 9 bestehenden Hauptschule. Die Kinder der Unterstufe sollen, wenn ihre Zahl (60) erreicht, weiterhin im Heimatdorf unterrichtet werden, der 7. – 9. Jahrgang aber immer in einer reinen Jahrgangsklasse an der Hauptschule. Die Jahrgänge 5 und 6 – so der Erlass – können nicht nur mit der Oberstufe, sondern auch mit der Grundstufe verbunden werden, da sie eine pädagogische Einheit sind. Die Volksschuloberstufe bildet den Ausgangspunkt der Neuordnung. Die Neuordnung der Oberstufe zieht die Neuordnung der Beobachtungsstufe (5/6) nach sich. Zum 01.12.1966 verließen deshalb 4 Kinder (zufällig alles Mädchen) unsere dreiklassige Schule, um das letzte Jahr ihrer Schulpflicht in einem zum selben Termin eingeführten 9. Schuljahr an der vorgesehenen Mittelpunktschule in Fürstenberg abzuleisten. Parallel zu Einführung des 9. Schuljahres wurde zum 01.12.1966 der Schulbeginn auf  den Herbst gelegt. Der Chronist erlaubt sich an dieser Stelle bemerken zu dürfen, dass den Lehrern damit bei der täglichen Arbeit, besonders in der kleinen Landschule ungeheure Aufgaben gestellt sind und besonders im 2. Kurzschuljahr und in dem darauffolgenden Schuljahr von normaler Länge.

Für die Schulheizung wurde 1966 ein neuer kellergeschweißter Öltank angeschafft. Um die Straßenkreuzung an der Schule besser gestalten lassen zu können, wurde im Sommer des Jahres das alte Wirtschaftsgebäude der Schule abgebrochen.

Verschiedenes
Nachdem die Pachtzeit der Gemeindewiesen abgelaufen war, wurden diese am 10.12.1966 auf weitere 9. Jahre verpachtet. Brandmeister Kersting legte am 01.04.1966 seinen Posten nieder; neuer Brandmeister wurde Reinhard Lauterbach, sein Stellvertreter, Paul Finger.

Seit 1966 hat Bleiwäsche nun auch Siegel und Wappen. Sie wurden der Gemeinde auf ihren Antrag hin am 06. April 1966 vom Innenminister des Landes NRW verliehen. Der untere silberfarbene Teil des Schildes zeigt das blaue Planetenzeichen des Saturn, das früher den Alchimisten als Zeichen für Blei diente. Dieses Erz gab, wie jedermann weiß, unserem Dorf den Namen. Im oberen grünen Teil des Schildes befindet sich zwischen zwei goldenen Eichenblättern eine goldene Ähre. Sie soll auf den landwirtschaftlichen Charakter unserer Heimat hinweisen, während die beiden Eichenblätter Bleiwäsches Waldreichtum versinnbildlichen soll.

Die Symbole für unser Dorf wurden in Zusammenarbeit mit dem Staatsarchiv in Detmold ausgewählt. Wappen und Siegel gestaltete ein Grafiker namens Herold.

Am 19.03.1966 feierte Pfarrer Juli sein 25jähriges Priesterjubiläum, und die Eheleute Hecker am 06.02.1966 die Goldene Hochzeit.

Beim Wettbewerb " Das Schöne und Saubere Dorf" errang Bleiwäsche den 4. Platz. Es erhielt dafür vom Kreis 400,- DM. Am Bleimannsschmuckwettbewerb beteiligten sich über 40 Bürger.

Am 10.07.1966 fanden Landtagswahlen in NRW statt. In Bleiwäsche wählte man so:
CDU: 266, SPD: 97, FDP: 17, Zentrum: 9 Stimmen.

Statistisches
Im Gemeindewald wurden 1966 170 fm Holz geschlagen und für ca. 8.000,- DM verkauft. An Bruchzins zahlte die Fa. Eley der Gemeinde 1966 40.000,- DM, etwa 3.000,- DM weniger als im Vorjahre.
Im ordentlichen Haushaltsplan betrugen die Einnahmen: 205.140,- DM, die Ausgaben: 261.540,- DM! Damit wurde erstmalig seit Jahren mit Fehlbetrag abgeschlossen. Der außerordentliche Plan schloss mit 323.000,- DM ab.

Die Einwohnerzahl überstieg in diesem Jahr 800.

Der Pfarrer zählte 5 Trauungen, 21 Geburten und 9 Sterbefälle.

Bei der Viehzählung am 03.12.1966 wurden erfasst: 786 Stück Rindvieh, 998 Schweine, 1263 Hühner, 16 Pferde, 11 Bienenvölker und 6 Ziegen.

Der Fremdenverkehrsverein meldete mit über 20.000 Übernachtungen einen geringen Anstieg der Übernachtungsziffern.


1967

Aus dem Gemeindeleben

Zum Wetter und zur Ernte
Der Januar hielt Einzug mit einem üblichen Maß an Schnee und Kälte. In der zweiten Januarhälfte schlug das Wetter um und bekam einen frühlingshaften Charakter. Die Meteorologen sprechen sogar vom wärmsten Januar seit Generationen. Dieses Vorfrühlingswetter hielt sich bis Mitte Februar und wurde dann von eisiger Kälte mit wenig Schnee abgelöst. Anfang März tobten orkanartige Stürme bis zur Windstärke 12, die in manchen Landstrichen große Schäden ausrichteten. In den Monaten März und April regnete und schneite es im mehrfachen Wechsel. Zu Ostern lag Schneematsch auf den Straßen, um den 21./22. April herum schneite und fror es wie im tiefsten Winter und der Weiße Sonntag war auch in der Natur ein "Weißer Sonntag" mit Frost und einer leichten Schneedecke. Die Haferaussaat begann am 9 März, das letzte Hafergetreide gelangte aber erst mit der Rübensaat, Mitte April, in die Erde. Beides ruhte dann noch bis Ende April unter einer Schneedecke. Den Sommer über und im Herbst hatten wir gutes Wetter, auf jeden Fall immer bestes Erntewetter. Die Heuernte war von guter Qualität, während die Getreide- und die Rübenernte dazu noch qualitativer sehr zufrieden stellten. Das gute Wetter dauerte bis in den späten November hin an, so dass das Weidevieh lange draußen bleiben konnte. Ende November gab es die ersten Frosttage und auch Schnee. Der letzte Monat des Jahres brachte wechselhaftes Wetter mit milden Temperaturen und das Weihnachtsfest 1967 wurde ein "grünes" Weihnachtsfest.

Zum Schützenfest
Das Schützenfest fand wieder am letzten Sonntag im Juli statt. König wurde Josef Nacke, Königin Eleonore Lausen aus der Siedlung. Mit dem Tag der Schützenrechnung verband der Heimatschutzverein wieder ein Kinderschützenfest. Der Verein gab für die Kinder 200,- DM aus.

Zum Straßenbau
Die Straßen des Dorfes waren alle noch im ordentlichen Zustand. 1967 wurde die Gartenstraße ausgebaut und an einer Seite mit einem Bürgersteig versehen, nachdem der Stall am Hause Dietz abgebrochen worden war und einige Quadratmeter Boden von der Gemeinde angekauft werden konnten.

Außerdem baute die Gemeinde den Bockweg und die Verbindung vom Großen Heck zur Knippe aus. Die Gehwege innerhalb des Kriegerdenkmals erhielten einen Waschbetonbelag, da sich ein Teerüberzug hier nicht bewährt hätte.

Zum Hochbau
Die Gemeinde Bleiwäsche hatte auch in diesem Jahre noch keine Bauplätze zu vergeben. Jedoch konnten fünf Bürger mit einem Hausbau, durchweg auf elterlichen Grundstücken am Rande des Dorfes beginnen. Diese sind: Willi Eley, Josef Scholand, Franz Schäfer, Karl-Josef Wittler und Aurelie Schumacher. Das neue Feuerwehrgerätehaus mit einer guten Wohnung für den Gerätewart wurde zum Spätherbst endlich fertig. Bei der Einweihungsfeier erfreuten sich zusammen mit den Wehrmännern die Vertreter der Gemeinde, des Amtes, des Kreises und der Regierung.
Am 10. Oktober wies das Verwaltungsgericht in Minden die Klage von 11 Bleiwäschern Bürgern, die gegen die Umwandlung des Gemeindegliedervermögens Einspruch erhoben hatten, ab. Damit scheint doch endlich "Grünes Licht" für mancherlei Vorhaben der Gemeinde, vor allem für die Beschaffung von Bauland in Aussicht zu sein.

Zur Wasserversorgung
Das Trinkwasser ist nach größeren Niederschlägen von zu geringer Qualität in Bleiwäsche. Deswegen entschloss sich der Gemeinderat, eine Trinkwasseraufbereitungsanlage erstellen zu lassen und beauftragte Herrn Dr. Briechle, Büren, mit den nötigen Planungsarbeiten.

Zur Schule
Die Schule erhielt: 2 Einbauschränke zur Aufbewahrung von Lehr- und Lernmitteln für 2.300,- DM, eine neue Haustür am Privateingang für 700,- DM und eine neue Wohnungstüre für ca. 2600,- DM. Die Bemühungen um eine Zentralisierung des Schulwesens laufen weiter: Nach einem vom Oberkreisdirektor an den Innenminister gerichteten Vorschlag sollen die Gemeinden Bleiwäsche, Fürstenberg, Leiberg, Wünnenberg und Elisenhof in Zukunft eine Großgemeinde bilden und eine gemeinsame Hauptschule als Mittelpunktschule erhalten. Bewerber um diese Schule sind Wünnenberg und Fürstenberg. Jeder der beiden Orte möchte sie um jeden Preis haben, aber nur einer kann sie bekommen. Am 6. Oktober traten die Vertreter der fünf Gemeinden zu einer ersten gemeinsamen Aussprache in Bleiwäsche zusammen. Sie beschlossen, jede der fünf Gemeinden solle bis zum 29.12.1967 feststellen und kundtun, ob sie als Standort der Haupschule Fürstenberg oder Wünnenberg wünschen. Vier Gemeinden und Leiberg auf der einen Seite für Wünnenberg und Elisenhof und Fürstenberg anderseits für Fürstenberg. Da nun - was die Entscheidung aus Bleiwäsche anbetrifft -, "diese als Zünglein an der Waage" betrachtet werden musste, trat die Gemeindevertretung Bleiwäsche am 29.12.1967 zusammen und kam nach Anhörung des Schulausschusses und der Elternschaft zu folgendem Beschluss:

Nach reiflicher Überlegung sehen wir uns in Bleiwäsche zum gegenwärtigen Zeitpunkt, weder auf der Grundlage einer Volksbefragung, noch durch eine Abstimmung im Rat der Gemeinde, außerstande, eine Entscheidung für Wünnenberg oder Fürstenberg herbeizuführen, zumal für unsere Kinder der Weg nach Wünnenberg genauso weit wie nach Fürstenberg ist. Eine Entscheidung für den einen Ort würde eine Verfeindung mit dem anderen nach sich ziehen. Selbst bei einem Bekennen für  den einen oder anderen Nachbarort sieht der Gemeinderat Bleiwäsche nach gewissen Vorkommnissen in den letzten Wochen keine Aussicht auf Erfolg und Weiterkommen.

Verschiedenes
Sämtliche Straßen unseres Dorfes erhielten Namen und wurden im Dezember mit den entsprechenden Schildern versehen, alle Häuser erhielten neue Hausnummern. Die Straßen heißen heute: Hauptstraße, St. Agathe- Straße, Am Brunnen, Unter der Hütte, Tiefer Weg, Auf den Schächten, Im Heck, Mittelstraße Christophorusstraße, Bleistraße, Am Friedhof, An der Kirche, Zur Glashütte, Roter Landweg, Tannenweg.
Der Schaukasten für amtliche Bekanntmachungen wechselte seinen Platz vom Hause Dietz, an den Rand des Schulgrundstückes.

Die Eheleute Hermann Lausen feierten das Fest der Golden Hochzeit.

Statistisches
Der Bruchzins betrug 30.607,- DM.
Die Einnahmen betrugen im ordentlichen Haushaltsplan 307.870,- DM, die Ausgaben 323.440,- DM.
Der Haushaltsplan schloss somit mit einem Fehlbetrag von 23.440,- DM ab.
Im außerordentlichen Haushaltsplan wurden 50.000,- DM benötigt.

Der Fremdenverkehr meldete einen leichten Rückgang der Übernachtungsziffern, vermeintlich eine Folgeerscheinung der Konjunktur.

Bei der Viehzählung Dezember wurden gezählt: 805 Stück Rindvieh, 1139 Schweine, davon 76 Sauen, 1221 Hühner, 13 Pferde und 7 Ziegen.

Der Gemeindewald brachte 1967 3.500,- DM ein.

Der Pfarrer zählte 4 Trauungen, 11 Geburten und 14 Sterbefälle.

 

1968

Aus dem Gemeindeleben

Zum Wetter und zur Ernte
Das Jahr 1968 hielt Einzug mit wenig Schnee und erheblicher Kälte, das Thermometer zeigte in der ersten Hälfte des Januars mehrfach Tieftemperaturen von   -25 Grad an. In der Nacht vom 14. zum 15. Januar stieg die Temperatur plötzlich um ca. 30 Grad auf +5 Grad, was große Schäden an Dächern und Gebäuden zur Folge hatte. Bis zum 20. Februar hielt sich dann ein mildes und wechselhaftes Wetter. Danach zog wieder strenger Winter ins Land ein. Er brachte am 13./14. März ein Unwetter mit orkanartigen Stürmen und Schneeverwehungen, die den Busverkehr zum Erliegen brachten. Um den 20. herum setzte ziemlich plötzlich frühlingshaftes, ja nahezu sommerliches Wetter ein. Gegen Ende März wurden sogar Temperaturen von +30 Grad im Schatten gemessen. So konnte die gesamte Sommergetreideaussaat bei schönstem Wetter Ende März erfolgen. Neben starken Nachtfrösten Anfang April registrierten wir diesen Monat hochsommerliche Temperaturen und eine größere Trockenzeit. Der Mai bescherte uns wider Erwarten typisches Aprilwetter mit eisigen Schneeschauern, so dass das Vieh Mitte des Monats vorübergehend wieder aufgestallt werden musste.
Die Heuernte konnte bei einigermaßen gutem Wetter unter Dach und Fach gebracht werden. Dagegen herrschte während der gesamten Getreide- und Hackfruchternte Regenwetter, so dass unsere Bauersleute es bei der Einbringung der Hackfrüchte besonders schwer hatten. Um einen Wagen vom Lande zu holen, mussten sich durchweg zwei Bauern mit ihren Schleppern zusammentun. Nach dem Abernten kannte man die Felder kaum wieder, so zerfahren waren sie. Die Herbstaussaat musste deswegen verspätet erfolgen, und das Getreide ging erklärlicherweise nur spärlich auf. Das Ergebnis der Getreide- und Hackfruchternte darf aber trotz der Widerwärtigkeiten des Wetters als zufriedenstellend bezeichnet werden.

Zum Schützenfest
Der Schützenverein richtete zunächst ein Maifest aus. Das Schützenfest selbst fand am letzten Sonntag im Juli statt. König wurde Heinrich Feldmann, Königin seine Ehefrau Elisabeth. Anlässlich des Erntedankfestes beschenkte der Schützenverein auch in diesem Jahr unsere Kinder.

Zum Wegebau
Wirtschaftswege ließ die Gemeinde 1968 nicht weiter ausbauen oder erneuern. Lediglich auf der Bür71 wurde in Höhe des „Brunnens“ vom Anlieger Hengsbach, Gelände erworben, ein Gehweg angelegt und die Kurve entschärft, so dass diese Gefahrenstelle heute besser zu übersehen ist. Alle Straßen befinden sich in einem guten Zustand, bis auf die Landstraße 1415, die wohl 1969 ausgebaut werden soll.

Zum Hochbau
Nahezu in jeder Ratssitzung stand die Baulandbeschaffungsfrage auf der Tagesordnung. Am 13.02.1968 fand eine diesbezügliche gemeinsame Sitzung zwischen Kirchenvorstand und Gemeindevertretung statt, leider ohne Ergebnis. Am 20.03. forderte der Kirchenvorstand ein vom Kreis erstelltes Gutachten über den Wert der zum Tausch vorgesehenen Ländereien auf Gemeindekosten. Die Gemeinde erfüllte den Wunsch des Kirchenvorstandes. Am 09.05. kam Prälat Christoph vom Generalvikariat eigens in dieser Sache nach Bleiwäsche, um den beabsichtigten Tausch an Ort und Stelle zu prüfen. Wie dem Amtsdirektor und dem Bürgermeister gelegentlich bei einer Besprechung versichert wurde, war das Generalvikariat bereit, dem Tausch auf der Grundlage des vom Kreis eingeholten Gutachtens zuzustimmen, wenn unser Kirchenvorstand den noch erforderlichen Beschluss fassen würde. Und zu diesem Beschluss hat sich der Kirchenvorstand Bleiwäsche leider noch nicht durchringen können. Um aber die ältesten Bauplatzbewerber dennoch zufriedenstellen zu können, tauschte die Gemeinde ihre auf dem Loh gelegenen 22 Morgen, die die Deutsche Bauernsiedlung der Gemeinde 1956 zwecks Baulandbeschaffung zur Verfügung gestellt hatte, gegen 5 ½  Morgen des Landwirtes Johannes Finger. Das Land liegt am südlichen Ortsausgang der Gemeinde Bleiwäsche. Für dieses Gelände will die Gemeinde jetzt einen Bebauungsplan erarbeiten lassen. Es dürfte heute bereits feststehen, dass hier 1969, 10-15 Häuser gebaut werden können. Für 1968 musste die Bautätigkeit aber noch sehr gering bleiben. Helmut Schröder, Willi Schluer und Johannes Spölmik (aus Wünnenberg) bauten in Erbpacht auf Kirchenland am Glashütter Weg, während Bernhard Lausen und Johannes Hülshoff ein Wohnhaus auf eigenem Grund errichteten.

Zur Schützenhalle und zum Sportplatz
Seit Jahren befasste sich die Gemeinde mit dem Plan, die alte Schützenhalle zu erweitern, da sie in jetziger Größe und Zustand nicht mehr genügt – insbesondere lassen die sanitären Anlagen zu wünschen übrig. Das Vorhaben wurde aber vom Landesstraßenbauamt wegen der nahe vorbeiführenden Landstraße abgelehnt. Deswegen entschloss sich die Gemeinde, einen anderen Platz zu erwerben und eine neue, größere Halle zu bauen. Da auch der Bau eines neuen Sportplatzes anstand, beschloss der Rat, für Bleiwäsche ein kombiniertes Kultur- und Sportzentrum zu schaffen. Als nahezu idealer Standort bot sich ein Gelände hinter dem Hochbehälter
an.

So konnte hier am 10.04. von Johannes Sprenger (jetzt wohnhaft in Rösenbeck) ein ca. 3 Morgen großes Grundstück für den Sportplatz erworben werden, der rund 122.000,- DM kosten soll. Dafür stehen 60.000,- DM Landeszuschuss und 10.000,- DM Kreiszuschuss aus Mitteln des goldenen Plans zur Verfügung. Der Rest kann durch ein Darlehen aus ERP-Mitteln zu 3% finanziert werden.
Am 28.05 erging der Beschluss, neben diesem neuen Sportplatz auf Gliedervermögen die neue Gemeindehalle zu errichten. Dankenswerterweise stellten die derzeitigen Nutzungsinhaber ihre „Plänchen“ gegen eine geringe Entschädigung zur Verfügung, damit mit dem Vorhaben vorzeitig begonnen werden konnte, zumal auch diese Finanzierung bereits gesichert war: Rund 100.000,- DM konnten aus Mitteln des ordentlichen Haushaltsplanes 1968 zur Verfügung gestellt werden, weitere 8.000,- DM will der Kreis für Wasch- und Umkleideräume der Sportler bereit halten, 40.000,- DM erbrachte der Verkauf der alten Halle, die der hiesige Bauunternehmer für gewerbliche Zwecke erwarb, der Schützenverein stiftete 5000,- DM. Der verbleibende Rest soll im Haushaltsjahre 1969 aufgebracht werden. Die Planung der Halle wurde dem Architekten Geining übertragen. Er führte auch die Ausschreibungsarbeiten aus (aus alter Verbundenheit mit der Gemeinde Bleiwäsche, verlangte Herr Geining für die Planungsarbeiten kein Entgelt und für die Bauleitung nur 200,- DM!!! )

Die Aufträge erhielten:
Fa. Rummel aus Fürstenberg:
    Maurer u. Betonarbeiten    für 93.560,- DM,
Fa. Weitekamp, Fürstenberg:
    Zimmerarbeiten            für 10.280,- DM,
Fa. Hüttemann, Olsberg:
    Lieferung der Fertigträger    für 16.000,- DM,
Fa. Schütte – Schumacher, Bleiwäsche:
    Lieferung und Anbringung
            der Dachrinnen    für 1.750,- DM.

Das Vorhaben der Gemeindevertretung, den Rohbau bis zum Jahresende fertig zu stellen, konnte infolge einer ungünstigen Witterungslage im Spätherbst nicht ganz verwirklicht werden. Aber immerhin die bereits stehenden Außenwände, welche Gestalt und Größe unserer neuen Schützenhalle haben werden, lassen sich erkennen. Jedenfalls hoffen wir, das nächste Schützenfest (69) in den neuen Räumen feiern zu können.
Neben dem neuen Feuerwehrgerätehaus richtete die Gemeinde einen neuen Kinderspielplatz mit kindgemäßen Turn- und Spielgeräten ein.

Zur Schule
Der Wohnungseingang erhielt 1968 eine neue zweistufige Treppe. Ferner wurden die Lehrerzimmerwohnung und der Schulflur neu gestrichen.

Am 29.01.1968 verabschiedete der Landtag das Gesetz zu Neuordnung des Schulwesens. Danach müssen unsere Kinder - wie in der Chronik 1967 eingehend erläutert – bald vom 5. Schuljahre an die Hauptschule in einem Nachbarort besuchen. Der Rat hofft aber nach wie vor die Grundschule (1. - 4. Schuljahr) hier am Ort erhalten zu können.

Die Gemeinden Bleiwäsche, Elisenhof, Fürstenberg, Leiberg und Wünnenberg sollen für unseren Raum, zusammen eine Hauptschule tragen. Zu einer nötigen Schulverbandsbildung trafen sich die Vertretungen dieser Gemeinden am 23.04. mit dem Landrat, dem Oberkreisdirektor und dem Schulrat in Fürstenberg. Nach vierstündiger Debatte ging man auch ohne ein konkretes Ergebnis erreicht zu haben auseinander.  Am 30.05. kamen die Vertretungen mit derselben Zielsetzung wieder zusammen, diesmal in Leiberg. Nachdem die Fürstenberger diese Versammlung demonstrativ verlassen hatten, bildeten die Bleiwäscher, die Leiberger und die Wünnenberger allein einen Hauptschulverband und beschlossen eine Satzung. Diese wurde nach Paragraph 10, Abs. 2 des Gesetzes über kommunale Gemeinschaftsarbeit am 30.07. vom Schulamt abgelehnt, da in unserem Raume ohne Fürstenberg und Elisenhof eine Hauptschule mit der erforderlichen Kinderzahl nicht zustande kommen kann. Die Fürstenberger sind auch bis zum Jahresende nicht zu bewegen gewesen, dem unumgänglichen Schulverband noch freiwillig beizutreten, da sie vorab den künftigen Standort der Hauptschule festgelegt wissen wollten. Somit wird es wohl oder übel zu einem Zwangsverband kommen, den die untere Verwaltungsbehörde lt. Gesetz bald anordnen muss.

Statistisches
Die Gemeindejagd wurde 1968 neu verpachtet und zwar für einen erstaunlich hohen Betrag von 4300 DM. Der neue Pächter ist Hermann Schäfers aus Brenken. Der bisherige Pachtpreis belief sich auf 1000 DM.

Da das Wasserwerk 1967 mit einem Verlust abgeschlossen hatte und da die Gemeinde vom Wasserpreis neuerdings Mehrwertsteuer zahlen muss, erhöhte der Rat den Wasserpreis am 01.01.1968 um 5 Pf. auf 0,65 DM und führte eine monatliche Grundgebühr von 0,50 DM ein.

Beim Wettbewerb um das schöne und saubere Dorf erhielt Bleiwäsche 150 DM vom Kreis.

Der Bruchzins betrug 51000 DM, 20000 DM mehr als im Vorjahre!! Da der alte Bruch fast völlig ausgebeutet ist, wurde dem Antrag der Fa. Eley von der Gemeinde und der Regierung entsprochen (18.01.1968). Der durch die Nutzung des neuen Steinbruches verlorengegangene Gemeindewald wurde auf 11368 DM geschätzt (vom Gemeindeforstamt Willebadessen). Diesen Betrag muss die Firma Eley der Gemeinde Bleiwäsche erstatten.

Die Übernachtungsziffern des Fremdenverkehrsgewerbes blieben dem Vorjahre gegenüber konstant.

Bei der Viehzählung wurden gezählt:

795 Stück Rindvieh, 1050 Schweine (davon 70 Sauen), 13 Pferde, 1150 Hühner und noch 7 Ziegen.

Aus dem Gemeindewald wurde für 18700 DM Holz verkauft.

Die Herren Adolf Sendzik und Bernhard Wittler wurden 89 Jahre alt und dazu von der Gemeinde beglückwünscht.

Der Pfarrer registrierte: 786 Einwohner, 7 Trauungen, 20 Geburten und 6 Sterbefälle.


1969

Aus dem Gemeindeleben

Zum Wetter und zur Ernte
Der Januar beginnt mit großer Kälte und viel Schnee, der gegen Monatsmitte infolge plötzlich ansteigender Temperaturen jedoch schnell wegtaut. Mildes, fast frühlingshaftes Wetter bleibt während der 2. Januarhälfte bis zur Fastnacht, wo wieder Kälte und Schneetreiben einsetzen mit pausenlosem Schneefall in den darauffolgenden Tagen. Solche Rekordschneemengen und meterhohe Verwehungen gab es zuletzt im Jahre 1950. In der 2. Februarhälfte herrschte eisige Kälte, dafür aber ruhiges Winterwetter, sodaß die Straßen offen und gut befahrbar sind. Ende Februar setzt dann wieder Tauwetter ein, das bis Mitte März anhält, jedoch die riesigen Schneemassen nicht restlos zum Schmelzen bringt. Man glaubt nun allerseits, der Frühling sei nicht mehr fern, als nun die Monatsmitte Frost und Schnee mit bitterer Kälte und heftigen Stürmen Einzug halten, die ein Ausmaß annehmen, sodaß der Verkehr für einige Tage zum Erliegen kommt. Dies Winterwetter dauert bis in die ersten Apriltage an. Zu Ostern steigt das Thermometer auf +25° Celsius an. Am Osterdienstag beginnen die Bauersleute mit der Haferaussaat bei hochsommerlichem Wetter das jedoch nur eine Woche andauert.

Der weiße Sonntag ist dann auch in der Natur ein weißer Sonntag, an dem es noch einmal stürmt und schneit. Doch kurz darauf setzt echtes Aprilwetter ein, mit anhaltenden Regenfällen, die erst gegen Ende des Monats nachlassen. So kommen auch erst anfangs Mai die Kartoffeln und Rüben in die Erde.

Zur Heu und Getreideernte herrschte durchweg schlechtes Wetter. Während des ganzen Monats August regnete es fast unentwegt und das Korn auf den Feldern legte sich wie gewalzt auf die Erde. Kaum ein Stück Korn blieb vom Auswuchs verschont. Zum Glück waren in diesem Sommer die ersten Getreidetrocknungen angeschafft worden, die dann Tag und Nacht in Betrieb waren, um das nasse Korn zu trocknen. Erst Mitte September setzte beständiges Wetter ein, sodaß wenigstens die Hackfruchternte mühelos eingebracht werden konnte. Auch die Aussaat des Wintergetreides erfolgte bei relativ günstigem Wetter.

Zum Schützenfest
Die neue Gemeindehalle konnte noch rechtzeitig zum diesjährigen Schützenfeste fertiggestellt werden. So feierte der Heimatschutzverein bei Gluthitze am letzten Sonntag des Juli sein Schützenfest in der neuen Festhalle mit einer Rekordbesucherzahl. König wurde Josef Eley (Drüppels), Königin seine Ehefrau Elsbeth.

Das Erntedankfeste richtete ebenfalls der Heimatschutzverein aus. Am Nachmittag fand das nun schon Tradition gewordene Kinderschützenfest statt, an dem der Verein die Kinder großzügig bescherte.

Zum Bau der Gemeindehalle und des Sportplatzes:
Schon im zeitigen Frühjahr konnten die Arbeiten an Halle und Sportplatz weitergehen, der als erster weit und breit eine Gesamt-Flächendrainage erhielt. Die heimische Firma Eley setzte bei Frostwetter alle verfügbaren Lastkraftwagen ein, um das erforderliche Steinmaterial aus dem Gemeindesteinbruch anzufahren. Wegen anhaltender Regenfälle im Monat April mußten die Arbeiten dann unterbrochen werden und die gelagerte Muttererde konnte erst im Sommer aufgetragen und die Einsaat eingebracht werden. Die Gesamtbaukosten des Sportplatzes betrugen rund 150.000 DM.
Im Laufe des Winters waren die Restarbeiten an der Gemeindehalle ausgeschrieben worden. Folgende Firmen erhielten Zuschlag und Auftrag: Holzfenster und Holzinnentüren die Firma Nolte aus Fürstenberg. Lieferung und Einbau der  Weserwaben (Betonfenster) die Firma Rümmel, Fürstenberg. Die drei Haupteingangstüren aus Leichtmetall lieferte die Firma Gebro in Büren. Alle anderen Türen wurden von der Firma Rüther aus Fürstenberg geliefert. Die Verglasung führte aus: Firma Mühlenbein aus Fürstenberg. Die Dachrinnen wurden angebracht von Bernhard Schütte aus Bleiwäsche, und die Klempner- und Installationsarbeiten ausgeführt von Theo Balkenhol aus Bleiwäsche. Den Kunststeinfußboden verlegte die Firma Coritius aus Fürstenberg und den Holzfußboden Heinrich Sprenger von hier. Den Fußbodenbelag aus Kunststoff im Speiseraum stifteten unsere beide Jagdpächter Hermann Schäfer aus Brenken und Franz Bevermeier von Anreppen. Die Waschbetonplatten im Treppenhaus wurden von der Firma Ewald Arens aus Wünnenberg verlegt, während den Zuschlag für alle Fliesen- und Plattierungsarbeiten in den Sanitärräumen die Firma Evers aus Büren erhielt. Die Toilettentrennwände lieferte Franz Rüther aus Fürstenberg. Die Elektroinstallation sowie den Einbau der Elektroheizung führte die Firma Schäfer aus Fürstenberg aus. Zur Heizung sei noch erwähnt, dass die Gemeinde diese im nächsten Jahre einbauen lassen wollte, weil die finanziellen Mittel knapp geworden waren. Da sammelten im Herbst der Vorstand und die Offiziere des Heimatschutzvereins bei den Einwohnern von Bleiwäsche über 14.000 DM, die sie der Gemeinde schenkten für die Anschaffung der Heizung.

Ebenfalls vom Heimatschutzverein wurde die Theke gebaut. An deren Finanzierung beteiligte sich der Fremdenverkehrsverein mit DM 400, der Sportverein mit DM 300, sowie der Kaninchenzuchtverein mit DM 200 neben zahlreichen Geschäftsleuten, die mit einer Geld- oder Sachspende beisteuerten. Alles in allem: ein erfreuliches Werk!

Zum Hochbau:
Die katholische Kirchengemeinde konnte trotz mehrfacher Verhandlungen leider noch nicht bewegt werden, ihre in einem Baugebiet liegende rund 10 Morgen große Fläche mit der politischen Gemeinde gegen Grundstücke aus dem ehemaligen Gliedervermögen zu tauschen. Deshalb beschloss der Gemeinderat am 28. Januar, das Kreisplanungsamt mit der Aufstellung eines Bebauungsplanes über das von Johannes Finger erworbene Land zu beauftragen. Bereits im Februar lagen der Vertretung 2 Entwürfe zur Auswahl vor, die sich für den mit vierzehn Bauplätzen entschied (davon fünf für ein- und neun für zweigeschossige Bauweise). Am 10. Juli konnten an Dieter Sprenger, Josef Köhler, Josef Vagiener, Manfred Pöstgen, Günter Hammer, Antonius Finger, Werner Sprenger, Bernhard Mester und Georg Tacken die ersten Plätze vergeben werden. Der Quadratmeterpeis betrug 4,00 DM, wozu noch an Vorauszahlungen für Erschließungskosten DM 6,00 kamen. Diejenigen Bauplatzerwerber, die Berechtigte am Gliedervermögen sind, erhielten 600 m² kostenlos als Abfindung für die Berechtigung am Gliedervermögen. Das zur Zeit zur Auflösung ansteht. Vagiener, W. Sprenger und Pöstgen erstellten noch im Herbst den Rohbau, während die restlichen 1970 bauen wollten. Ebenfalls in den Rohbau erstellte Alfred Sprenger seinen Bungalow am sogenannten Bock, wo er von der Gemeinde einen kleinen Platz erworben hatte.

Zum Wegebau:
Auch 1969 brauchte die Gemeinde keine Feldwege und Straßen ausbauen, da sich noch alle in einem guten Zustand befanden. Alle bedeutenden Feldwege sind bereits geteert, die kleineren sind in einem ordentlichen und befahrbarem Zustand. Alle Maßnahmen konzentrierten sich auf die Kanalisierung in der Hauptstraße, die im Trennsystem verlegt wird. Die Planung und Bauleitung hierfür erhielt das Ing. - Büro Bileck aus Münster, den Zuschlag für die Ausführung der Arbeiten die Ortsansässige Firma Eley, zu einem Gesamtpreis von DM 280.000. Obwohl die Arbeiten im Herbst zügig vorangingen, mußten im November infolge des frühen Winterwetters unterbrochen werden.

Straßenlampen:
Die gesamte Straßenbeleuchtungsanlage übereignete die Gemeinde ab 1. August der VEW, die fortan die Unterhaltung sowie Modernisierungsmaßnahmen (unter Hinzuziehung der Gemeinde) übernehmen werden. Die Lampen brennen nun die ganze Nacht hindurch zu einem günstigen Tarif.

Wahlen:
Am 28. September fanden Bundestagswahlen statt. Bei einer Wahlbeteiligung von 88,9 % wurden in unserem Ort für die CDU 308, für die SPD 91, für die NPD 20 und für die ADF 3 Stimmen abgegeben. Nach über 20- jähriger Regierungszeit wurde die CDU von der SPD abgelöst und Willy Brand Bundeskanzler.
Die Kommunalwahlen fanden auf Anordnung des Innenministers am 9. November statt. 7 Gemeinderäte waren zu wählen, davon 3 direkt und 4 aus der Reserveliste. Es kandidierten hier die Parteien CDU, SPD und Centrum. Gewählt wurden der Landwirt Heinrich Becker, der Arbeiter Heinrich Egert und der Maschinist Anton Schäfer direkt. Über die Reserveliste kamen Tischlermeister Friedhelm Sprenger, Waldfacharbeiter Josef Völlmecke, Maschinenführer Heinz Niehoff und der Landwirt Heinz Schumacher in die Vertretung. Bei einer Wahlbeteiligung von 82,09 % entfielen die Stimmen wie folgt: Becker 311, Egert 258, Schäfer 201, alle CDU. Gustav Fels 62, Bernhard Lausen 54, Heinz Niehoff 94, alle SPD. Hubert Berlinghoff 57, Johannes Finger 56 und H. Schumacher 48, alle Centrum.  Zum Bürgermeister wurde Heinrich Becker wiedergewählt, zu seinem Stellvertreter Heinrich Egert.

Schule:
Nachdem unser Landtag im Vorjahre ein Gesetz zur Neuordnung des Schulwesens erlassen hatte, wurde die Hauptschule ab 1. August Wirklichkeit. Rund 80 Kinder vom 5. bis 9. Schuljahr fahren nunmehr mit einem Schulbus zum Unterricht in die Nachbarorte Fürstenberg und Wünnenberg. Wegen der Uneinigkeit um den Standtort der neuen Hauptschule zwischen den beiden Kontrahenten Fürstenberg und Wünnenberg ist es bedauerlicherweise zu einem Pflichtschulverband in diesem Raume gekommen. Da ein Hauptschulgebäude vorerst wohl noch nicht errichtet wird, muß der Unterricht für die Hauptschüler durch eine sogenannte Auslagerung in den Schulen Fürstenbergs und Wünnenbergs aufrechterhalten werden, eine Notlösung, mit der wir uns wohl noch lange zufrieden geben müssen.

Allgemeines:
Ab dem 1. April ging das Gemeindegliederungsvermögen in freies Eigentum der Gemeinde über, womit ein unglückseliges Kapitel Bleiwäscher Geschichte sein Ende gefunden hat. Als Abfindung zahlte die Gemeinde an die Berechtigten entweder DM 1000 oder stellte einen 600 m² großen Bauplatz zu Verfügung.

Der ordentliche Haushaltsplan der Gemeinde betrug in diesem Jahre 338.000 DM, der außerordentliche 495.000 DM. Diese hohe Summe war erforderlich für die Ablösung des Gliedervermögens und für die Kanalisationsmaßnahme in der Hauptstraße, wofür ein günstiges Darlehen von 300.000 DM aufgenommen wurde.

Der Fremdenverkehrsverein meldete für 1969 rund 25.000 Übernachtungen.

Beim Wettbewerb das schöne und saubere Dorf fiel Bleiwäsche auf den 14. Platz zurück und erhielt für diesen Platz 300 DM vom Kreis.

Bei der Viehzählung wurden erfaßt: 827 Stück Rindvieh, davon 303 Milchkühe. 1084 Schweine, davon 82 Sauen, 1209 Hühner, nur noch 9 Pferde und 6 Ziegen sowie 6 Schafe.

An Bruchzins erhielt die Gemeinde von der Firma Eley 42.400 DM.

Der Pfarrer zählte 8 Trauungen, 10 Geburten und 8 Sterbefälle.